Josef Müller-Marein: „Wie mächtig ist der Papst?“, ZEIT Nr. 49

Die kurze Skizzierung der Ursachen und Zusammenhänge der Konfessionsspaltungen in dem Artikel von Herrn Josef Müller-Marein über die Mächtigkeit des Papstes“ verdient aus aktuellen Gründen besondere Beachtung. Nur möchte ich zu zwei Punkten Stellung nehmen.

Die „High-Church“ ist nicht identisch mit der Anglikanischen. Kirche, sondern sie ist nur eine der drei Gruppen innerhalb dieser Kirche. Sie wird allerdings irrtümlicherweise als die „Anglikanische Kirche“ bezeichnet. Richtig heißt die Sammelbezeichnung „Church of England“.

Der Autor schreibt, die griechisch-orthodoxe Kirche sei nur durch ein „Schisma“ von Rom getrennt. Ich bin der Meinung, seit der Trennung der oströmischen Kirche von Rom (1054) durch die Ablehnung des Primates des Papstes in Rom, ist die griechisch-orthodoxe Kirche häretisch. Die Nichtanerkennung des Dogmas über die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubenssachen bedeutet Häresie, auch wenn sonstige Dogmen anerkannt werden. Hermann Felder, Gladbeck/Westf.

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Als freireligiöser Leser muß ich mich gegen einen provozierenden Satz in dem Artikel verwahren. Ich empfinde die Behauptung des Verfassers, den Gegnern des Vatikans „sei die Phantasie durch Hitlersche oder Ludendorffsche Haßvorstellungen oder durch noch älteren Aberglauben vergiftet“, als eine abzulehnende klerikale Anmaßung.

Für den Atheisten haben Sie nur zwei Auslegungen, und beide entsprechen einer bewußt gesteuerten Verunglimpfung des freigeistigen Menschen, nämlich: Er ist entweder Kommunist – oder Ludendorffanhänger. Die dritte und richtige Auslegung, daß es sich beim Atheisten um einen real denkenden Menschen handelt, für den das christliche Weltbild im 20. Jahrhundert absurd und unhaltbar geworden ist, scheint Ihnen unbekannt zu sein.