Von Petra Michaely

Die Münze fällt. Das blinkende Ärmchen greift sich eine der schwarzen Scheiben aus der Reihe und raspelt, folgsam und laut, das Lied vom wackeren Cowboy herunter. Der junge Mann neben der Music-Box zuckt den Rhythmus mit. Die anderen hören mehr auf das Klingeln und Surren ihrer Spielautomaten.

Ich bin der einzige Gast, der gar nichts spielt. Ich bin bloß aus Neugierde gekommen, weil die Automatenbar ein bißchen anrüchig und das Anrüchige geradezu selten ist.

Der Zigarettenrauch umnebelt die einzelnen Gruppen. Sie stehen vor den Spieltischen, einer zwei, manchmal noch mehr, und spielen mitein ander und gegeneinander, eifrig, ausdauernd. Ih: Einsatz: ein Groschen und ein bißchen Geschicklichkeit. Ihr Gewinn: das Vergnügen, zwei Minuten oder auch ein wenig länger an Knöpfen drehen oder ziehen zu können – irgendeine Mechanik mit blinkenden bunten Birnchen auszulösen, ja vielleicht ein Freispiel zu gewinnen.

Ein fleischiger, schwarzhaariger Herr setzt sich zu mir, und weil er – wie ich – nur zusieht, kommen wir bald ins Gespräch. Ich gucke zu den Spielern mit den erhitzten, ernsten Gesichtern hinüber: „Sie glauben, mit den Automaten zu spielen. Aber die Automaten spielen mit ihnen!“

Er nickt mir zu, die kleinen dunklen Augen zwischen den dicken Lidern immer lauernd bei den Tischen, Und er spendiert einen Kognak, aus reiner Freude an meinem Interesse. „Ja“, sagt er und hebt einen trüben, kurzen Zeigefinger, damit die nächsten Kognaks anrollen, „ja, unsere Jugend kommt von den Automaten nicht mehr los.“

Neben uns wirft ein hagerer Blonder in großkariertem Anzug einen Groschen in eine glitzernde Himmelimitation. Und der Himmel spuckt zwanzig Pfennig als Belohnung.