Im kommenden Jahr muß das jetzt erreichte Aktienkursniveau konsolidiert werden

Von Kurt Wendt

Wieder liegt ein erfolgreiches Börsenjahr hinter uns. Trotz vorausgegangener Hausse-Jahre wurde das Kursniveau auf dem Aktienmarkt noch einmal um rund 38 vH angehoben. Damit hat sich in den letzten fünf Jahren eine Kurssteigerung von 250 bis 300 vH ergeben. Der Aktiensparer kann also mit seiner Anlage zufrieden sein. Er darf allerdings nicht erwarten, daß es in diesem Tempo weiter nach oben gehen wird. Jede Hausse findet einmal ihr Ende. Ob sie durch eine Baisse abgelöst wird oder ob sie lediglich in eine Phase der Konsolidierung überleitet, hängt davon ab, inwieweit während der Hausse "Kursübertreibungen" stattgefunden haben. Daß es dazu im vergangenen Sommer bei dem einen oder anderen Papier gekommen ist, kann kaum bezweifelt werden. Aber in den letzten Monaten ist bereits manches bereinigt worden. Dieser Prozeß wird sich fortsetzen. Doch das sind schließlich Einzelerscheinungen, die für die Gesamtbeurteilung der Börse keine ausschlaggebende Rolle spielen. Mögen sie auch für die Betroffenen schmerzhaft sein. Als Beispiel sei hier lediglich die NSU-Aktie angeführt, die im Sommer einen Spitzenstand von 3200 vH erreicht hatte und kürzlich bis auf 1150 vH zurückgefallen war. Es gibt Leute, die daraufhin ihre Nerven verloren und zu den tiefsten Kursen verkauft haben. Dabei setzten sie dann den größten Teil des Kursgewinnes dieses Jahres, den ihnen ihr Aktienportefeuille eingetragen hatte, wieder zu. Wie gewonnen, so zerronnen ... Auch das ist die Börse!

Abgenutzte Hausse-Faktoren

Wenn wir uns an der Jahreswende einen Blick in die Börsenzukunft erlauben wollen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen, was die Hausse der letzten Jahre ausgelöst hat:

1. Eine sich ständig ausweitende Liquidität, begünstigt durch die Exportüberschüsse. Außerdem anhaltender Mittelzufluß aus dem Ausland, das einmal auf eine D-Mark-Aufwertung spekulierte und zum anderen in den deutschen Aktien "Wachstumswerte erster Klasse" sah. Die Rechnung mit der D-Mark-Aufwertung ging nicht auf, dafür lagen die Ausländer mit den Wachstumswerten durchaus richtig.

2. Die hervorragende Konjunktur, die natürlich die Unternehmensgewinne entsprechend anhob und die dafür sorgte, daß der Aktionär am Wachstum der Wirtschaft beteiligt wurde.