Was tut nun die amerikanische Wirtschaft, um der wachsenden und bedeutenden ausländischen Konkurrenz zu begegnen? Einmal erhöht sie im großen Maßstab ihre Investitionen in Übersee. Diese haben 1960 den Rekordstand von 3,9 Mrd $ erreicht. Die Produktionsfirmen allein haben 1,3 Mrd. für neue Fabrikationsanlagen im Ausland ausgegeben. Senator Proxmire, Demokrat aus Wiscounsin, nennt dies einen „Export amerikanischer Arbeitsplätze“. Und bei der Regierung sagt man, daß diese Entwicklung in den nächsten Jahren zu einer härteren Konkurrenz für die amerikanische Industrie führen werde – einer Konkurrenz, die ironischerweise von Auslandsfirmen in amerikanischem Besitz ausgeht. Eine kürzlich vom Handelsministerium veröffentlichte Denkschrift über die „amerikanischen Wirtschaftsinvestitionen im Ausland“, beziffert deren Wert auf 33,6 Mrd. $ gegen 11,8 Mrd. 1950. Nach den Angaben des Ministeriums sind 2800 amerikanische Unternehmen an über 10 000 ausländischen Firmen direkt beteiligt. Und alles deutet darauf hin, daß diese Entwicklung so weitergeht.

Die Bemühungen der amerikanischen Industrie, mit dem Druck der ausländischen Konkurrenz fertig zu werden, führen zu der Forderung nach strengeren Zolltarifen und Kontingenten. Als die amerikanische Zollkommission im vergangenen Herbst hearings über Zollfragen veranstaltete, trugen nicht weniger als 450 Vertreter von 300 Unternehmen ihre Meinung vor. Fast alle setzten sich für eine stärkere Schutzzollpolitik ein. Selten hat man bei einer derartigen Gelegenheit so viele einflußreiche Manager – Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzende der Unternehmen – vor diesem Gremium gesehen.

Die lautstärksten und eindringlichsten Beschwerden über ausländische Konkurrenz kamen übrigens von den Produzenten synthetischer Stoffe – Firmen wie Monsanto und du Pont. Aber auch die Eisen- und Stahlindustrie, die Metallverarbeitung, die Hersteller von Werkzeugmaschinen und Textilien sowie die Elektronik hatten Klagen vorzubringen.

Dennoch haben sich die amerikanischen Exporte nach dem Umschwung zur Flaute bemerkenswert gut gehalten. Für 1961 ist abzusehen – vorausgesetzt, daß die Prosperität in Europa anhält –, daß die Exporte sogar noch höher sein werden. Der Nationalrat für Außenhandel erwartet, daß die amerikanischen Exporte im nächsten Jahr eine Rekordhöhe von 21,5 Mrd. $ erreichen werden. Aber Vorhersagen dieser Art stehen auf sehr schwachen Füßen. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, ob die Kräfte des freien Handels oder die Kräfte eines Protektionismus „im Kommen“ sind? Wer kann wohl mit Sicherheit sagen, daß die wirtschaftliche Entwicklung in den USA wieder aufwärts gehen wird oder ihren Abwärtskurs fortsetzt? Nicht einmal der neugewählte Präsident Kennedy kann darauf, eine gültige Antwort geben...