Die Doppelbegabung für Musik und Schriftstellerei ist häufig und datiert keineswegs erst aus dem Zeitalter der Romantik, wie vielfach behauptet wird. Viel seltener ist die Tripelbegabung für Musik, Schriftstellerei und Malerei. Erstaunlich immerhin, daß dieses Phänomen sogar in unserer Gegenwart vorkommt, ja, daß es erlaubt ist, wo doch so überaus streng auf spezialistische „Reinheit“ der Künste und damit auch der Talente gesehen wird. Indessen: so aufregend ist es diesmal auch wieder nicht; es bleibt eindeutig ein „Hauptfach“, nämlich die Musik, die der Anlaß war zu dem Buch von

Werner Egk: „Musik – Wort – Bild“, Texte und Anmerkungen, Betrachtungen und Gedanken; Albert Langen/Georg Müller Verlag, München; 314 S., 24,80 DM.

Die reproduzierten Proben Egkscher Graphiken und Aquarelle (denen im Anhang Franz Roh eine überzeugte kunstwissenschaftliche Studie widmet) erweisen sich als durchaus eines Geistes und eines Willens mit dem musikalischen, insbesondere dem Bühnenschaffen des Komponisten, wennschon auf diesen Blättern die groteske, spielerische, humorige und satirische Wesensseite zu dominieren scheint. Vorhanden sind diese Züge ja auch in Egks Musik, der sie oft ihre Würze geben.

Noch viel enger ist freilich die Einheit von Musik und Wort, wie sich das bei einem Opernmeister von solchen Graden von selbst versteht. Das Buch bringt außer den Texten verschiedener oratorischer und theatralischer Werke (unter anderen „Furchtlosigkeit und Wohlwollen“ und die „Irische Legende“) eigene Kommentare dazu nebst einer Anzahl kleiner und größerer Beiträge zu künstlerischen Problemen verschiedenster Art (vor allem zur Opernfrage!) – alles mit dem Temperament, der intellektuellen Schärfe, dem kritischen Witz und der Treffsicherheit im Formulieren hingesetzt, die auch dem Komponisten Egk seine unverwechselbare, lebensprühende, geistreiche Physiognomie verleihen. Eine Physiognomie, in welcher hinter allem andern immer ein letztes, ganz gewiß nicht unbewußtes Übergewicht an Gescheitheit bleibt.

Das Buch enthält ein getreues Spiegelbild des ganzen Egk; auch das, worin er gewichtig, wo er ein wirklicher und wirkender geistiger Faktor der Zeit ist, wird sichtbar, obwohl dem schön ausgestatteten Bande durchaus die gewollte Würde „Gesammelter Schriften“ fehlt. Man braucht sich im übrigen weder mit den Meinungen noch mit den Argumentationen der polemischen Stücke zu identifizieren und wird sich doch an dem Elan einer ungebrochenen Subjektivität ergötzen. Wer sich dabei langweilt, ist selber schuld. A-th