In wenigen Tagen, am 8. Januar, werden die Franzosen auf dem Kontinent und in Algerien in einem Referendum Oui oder Non zum Plan ihres Staatspräsidenten de Gaulle zu sagen haben, Algerien über politische und verwaltungstechnische Reformen der Selbstbestimmung näherzubringen. Ziel dieses Plans ist die Koexistenz zwischen Europäern – sprich: Franzosen – und Moslems. Es ist ein verzweifelter letzter Versuch Frankreichs, in Algerien zu bleiben, und es ist ein mutiger Versuch de Gaulles. Aber in den Großstädten Algeriens haben die Araber mit einem Aufstand auf die Provokationen der französischen Ultras geantwortet, die Algerien mit allen Mitteln französisch erhalten wollen. In der Kasbah zu Algier schrien Zehntausende fanatisierter Moslems: „Es lebe der FLN, es lebe Ferhat Abbas“ und „Tod den Franzosen“.

Das zweite große Ereignis dieser stürmischen Tage: Die Armee gehorchte Paris; sie blieb neutral. Die Offiziere murrten, aber sie meuterten nicht. Werden sie auch gehorchen, wenn de Gaulle ihnen den Rückzug befiehlt?

In Algerien geht die Angst um. Was wird nach dem Abzug der Armee? Wird der frühere Algerienminister Soustelle recht behalten, der für diesen Fall das größte Blutbad des 20. Jahrhunderts vorausgesagt hat? Viele fürchten es. Die Aufständischen haben betont, daß sie nur noch über eines verhandeln werden: über die Garantien für ein unabhängiges Algerien. Sonst gehe der Krieg, der jeden Tag acht Menschenleben fordert, weiter.