r. g., Tübingen

Das bekannteste, volkstümlichste und wohl auch am häufigsten gebrauchte Goethe-Zitat verschweigt Büchmanns „Citatenschatz“, nämlich das Kraftwort aus dem „Götz“. Wir preisen uns glücklich, diese Lücke nun in einer Monographie geschlossen zu finden, die den Titel hat

LmiA

Des Ritters Götz von Berlichingen denkwürdige Fensterrede oder die bewußten vier Buchstaben hinterrücks enthüllt, ins rechte Licht gesetzt und mit dankenswerter Unterstützung der Herren Dante, Mozart, Schubart, Goethe, Schiller u. a. in Verbindung mit dem Internationalen Götz-Sprachenführer als Handbuch zur weltweiten Pflege des Götz-Zitats für nachsichtige Zeitgenossen bearbeitet und herausgegeben von Heinz-Eugen Schramm im Verlag Fritz Schlichtenmayer zu Tübingen am Neckar anno 1960.

Sowohl Verlag als auch Herausgeber sind einem (hier ist das Wort erlaubt) echtem Bedürfris nachgekommen: Jeder Mensch braucht ein bißchen Götz. Die Schwaben freilich, die den Franken Götz von Berlichingen als geistigen Ehrenbürger zu den Ihren zählen, haben da einen besonders starken Verschleiß. Der Schwäbische Gruß ist hierzulande eine Art rhetorischer Floskel, die nach dem Schwabenkenner Sebastian Blau dazu dient, eine ins Stocken geratene Unterhaltung wieder in Fluß zu bringen, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben oder endlich eine Unterhaltung endgültig abzubrechen.

Wer sich also mit den Schwaben anfreunden will, tut gut daran, dieses Buch zu lesen. Es ist nicht mit jener wissenschaftlichen Akribie geschrieben, derer sich der Götzforschungsverein LEMIA befleißigt, hingegen kann es als eine für den interessierten Laien ungemein fesselnde, sehr umfassende Einführung in die bewußte Materie gelten.

Der Ursache des Präpositionswandels wird dabei ein großer Raum gewidmet. In dem Kapitel „Mich drängt’s den Grundtext aufzuschlagen“ geht der Verfasser von dem „Urgötz“ aus: hier ebenso wie in einem Mozart’schen Kanon wird in der fraglichen Einladung die Präposition „im“ gebraucht; der heutige Sprachgebrauch bevorzugt jedoch „am“. Der verdiente Präsident des LEMIA-Forschungsvereins, Oberrichter a. D. Frenken aus Ölde in Westfalen, den wir bei der Einweihung des restaurierten Götzhauses in Niedernhall am Kocher im Frühjahr als einschlägige Kapazität konsultierten, gab zur Auskunft, ob „im“ oder „am“, das sei wohl mehr eine Geschmacksfrage.