Der deutschen Hochseefischerei droht eine gefährliche Schlagseite. Die Investitionen zur Modernisierung der Flotte im laufenden Jahr und 1961 in einer Größenordnung von rund 100 Mill. DM fließen so gut wie ausschließlich in den Bau sogenannter Fang- und Fabrikschiffe, also in Trawler, die mit Bearbeitungs- und Tiefkühlaggregaten zur Herstellung von tiefgefrorenem Filet auf See ausgerüstet sind. Während Ende September dieses Jahres von der 196 Einheiten umfassenden deutschen Trawlerflotte nur neun Einheiten mit Tiefkühlanlagen ausgerüstet waren, die eine jährliche Produktionskapazität von 3500 bis 3800 t hatten, wird nach den gegenwärtigen Bauplänen im nächsten Jahr eine Flotte von 35 Fangfabrikschiffen unter der Bundesflagge im Nordatlantik operieren. Die Tiefkühlkapazität dieser Einheiten wird bei weit über 30 000 t liegen. Die Frischfischkapazität per Ende 1961 wird sich bei der dann insgesamt 197 Einheiten umfassenden deutschen Trawlerflotte nur wenig verändert haben.

Ohne daß die stationären Tiefkühlbetriebe der Fischwirtschaft an den Seefischmärkten berücksichtigt sind, überschreitet die Ende nächsten Jahres vorhandene Tiefkühlkapazität der deutschen Hochseefischerei den Bedarf, um das Vielfache. Nach groben Schätzungen aus der Fischwirtschaft wurden im Jahre 1959 nicht mehr als 3000 t Frostfilet in der Bundesrepublik konsumiert. Eine Konsumsteigerung, die in etwa der Kapazitätserweiterung der Produktion entspricht, ist nicht zu erwarten. Der Export von Tiefkühlfisch wird auch keine nennenswerte Entlastung des Marktes bringen können. Es ist der deutschen Hochseefischerei nach wie vor schwer, beispielsweise in den USA als dem aufnahmefähigsten Markt für tiefgefrorene Fische mit der stark subventionierten ausländischen Fischwirtschaft zu konkurrieren.

Eine wesentliche Ursache dieser Entwicklung ist die einseitige Förderung des Baues von Fischereifabrikschiffen durch den Staat. Während die herkömmlichen Trawler ohne staatliche Unterstützung gebaut werden müssen, fließen in den Fabrikschiffbau Zinsverbilligungsmittel. Angesichts dieser Tatsache wurden für den Zeitraum 1961 von insgesamt 29 Trawlern nur drei vom herkömmlichen Typ bestellt und in Fahrt genommen. In der Hochseefischerei ist man der Auffassung, daß auch die Trawler der traditionellen Bauart förderungswürdig seien. Das Argument wird mit der Ansicht erhärtet, daß die Entwicklung in jedem Falle auf die schwimmende Fischfabrik zusteuert, die dann mit einer Flotte von Fangschiffen operiert, ähnlich also wie die Walfangmutterschiffe. Sml.