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Zazie (Frankreich). Ein virtuoses Filmexperiment von Louis Malle nach dem Buch von Raymond Queneau, dem Autor von mehreren Gedichtbänden und zehn Romanen, die nie Anklang beim breiten Publikum fanden. In seiner scheinbar lustigen Geschichte von Zazie dans le métro („Zazie in der Untergrundbahn“) verlegt er die Sage vom Gral nach Paris und läßt Parsifal, den „reinen Toren“, ein kleines Mädchen sein. Malle drehte Szenen im Stil der stummen Filme Charly Chaplins. Viele Anspielungen wenden sich an den anspruchsvollen Zuschauer. Zazie wird von dem kleinen Mädchen Cathérine Demongeot gespielt.

Die Wahrheit (Frankreich). Das französische Glamourgirl Brigitte Bardot, das nach der Fertigstellung dieses Films an den Rand des Selbstmords geriet, wurde von dem Regisseur Henri Georges Clouzot zu ungewöhnlicher Leistung gezwungen. Sie spielt nicht nur ein kleines, unsicheres Mädchen, sie wird zum Symbol einer verirrten und verwirrten Jugend in einem sonst oberflächlichen Film mit Typen, wie man sie aus ungezählten Boulevardromanen, -Theaterstücken und -Filmen kennt.

Das schwarze Schaf (Bundesrepublik). Unter den Dutzenden von Kriminalfilmen und Mordstories, die die Kinos überfluten, ist der Rater-Brown-Filmfrei nach den geistlichen Detektivgeschichten von Chesterton, ein schwarzes – ein sauberes Schaf. Heinz Rühmann ist in dieser Neuverfilmung der pfiffige Londoner Pfarrer, den vor Jahren Alec Guinness in dem amerikanischen Streifen „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) spielte. Kein leichtes Unterfangen, diesem von der genialen Charakterisierkunst des Engländers geprägten Bild eines englischen Priesters standzuhalten. Aber auch der deutsche Film wird dank Rühmann sehenswert, der mit verschmitzter Hintergründigkeit und einer gewissen Wesensverwandtschaft zu Guinness in diese geistliche Rolle schlüpft. Doch entspricht das Niveau des Films im ganzen dieser Leistung nicht. Regie-Debütant der verdiente Kameramann Helmut Ashley.

Die Millionärin (England). Kein Meisterwerk, aber ein unterhaltsamer Shawscher Zitatenschatz aus dem boshaften Theaterscherz von der reichen Frau, die sich für Geld alles kaufen möchte und dem indischen Arzt, der sich nicht kaufen lassen will. Schalkhaft ist die Besetzung mit Sophia Loren, die durchaus keine Idealgestalt für diese Rolle ist. Den Inder spielt Peter Seiler. Regie: Anthony Asquith.

Herr der drei Welten („The Three Worlds of Gulliver“. USA). Amerikanischer Abenteuerfilm in Farben und Superdynamation, einem Aufnahmeverfahren, das Zwerge, Menschen und Riesen gleichzeitig auf die Leinwand bringt. „Gullivers Reisen“, die beißende politische Satire von Jonathan Swift, ist sehr frei behandelt und verdünnt. Das Märchenhafte ist vergröbert, trotz des guten Kinderbuch-Gullivers von Kerwin Mathews. Doch sind die technischen Tricks überraschend und eindrucksvoll. Regie: Jack Sher. Die deutsche Erstaufführung fand auf der „Hanseatic“ statt.