Rembrandts Selbstbildnisse sind eines der großen Themen der Kunstgeschichte; viel ist in sie hineingeheimnist, viel ist um sie gerätselt worden. Heinz Thieles Fernsehbericht „Antlitz in der Verwandlung“ (Sender München) zählte nicht zu den erlesensten Bemühungen dieser Art. Die Rückführung des Kunstwerkes auf die Biographie des Künstlers gehört seit mindestens einigen Jahrzehnten nicht mehr zu den fortgeschrittenen Techniken der Interpretation, in der Literatur so wenig wie in der Kunst. Thiele aber gab kaum etwas anderes; Selbstporträt um Selbstporträt erschien auf dem Bildschirm, stets mit dem Hinweis auf den jeweiligen Unglücksfall im Leben Rembrandts erklärt: Zuletzt machte es den Eindruck, als sei dieses Oeuvre nicht viel mehr als ein einziges gemaltes Mißgeschick. „Seine Augen verraten das Wissen um das Absurde“ – nun, das ist erstens Geschwätz und zweitens Kapitulation vor der Aufgabe des Interpreten. Der Lebensausgang der gelähmt ans Bett Gefesselten, Renoir und Matisse, war auch tragisch umdüstert – warum werden denn deren späte Bilder immer heiterer und heller? Zum Verständnis der Rembrändtschen Kunst trug dieser Streifen nicht bei, zu dem seines Lebens ungefähr soviel wie ein MGM-Film mittlerer Güte.

Dabei kann keine Rede davon sein, daß künstlerisches Schöpfertum dem Medium Fernsehen verschlossen sei. Sogar in das Geheimnisvollste, den Arbeitsprozeß selber, läßt sich bei intelligenter Behutsamkeit Einblick gewähren, wie der jüngste Fricsay-Bericht demonstriert hat. Ein weiteres, nicht ganz so gelungenes Exempel lieferte die von der BBC importierte und von Frankfurt ausgestrahlte Henry-Moore-Reportage. Obwohl hier doch der Mann selber im Bild zu sehen und seine Meißeltechnik in Augenschein zu nehmen war, trat das Individuell-Belanglose vollkommen in den Hintergrund. Bei der Kunst ist die Kunst relevant und nicht die pittoresken oder düsteren Lebensumstände des Künstlers. Der BBC-Bericht über Moore, magisch-archaische Bildwelt, hat diesem Gesetz auf sauber-informative Weise Genüge getan.

lupus

Sonntag, 1. Januar. 15.55 Uhr: „Don Camillos Rückkehr“, der zweite Teil des italienischen Spielfilms vom Dorfpfarrer Don Camillo und seinem Widerpart, dem kommunistischen Bürgermeister Peppone. – 20.05 Uhr: „Hamlet“, Shakespeares Tragödie zum erstenmal im Fernsehen.

Montag, 2. Januar. 20.20 Uhr: Bericht über die in den letzten Jahren wirtschaftlich und strategisch so bedeutsam gewordene Wüste Sahara: „Ein kaltes Land und eine heiße Sonne“. 22.20 Uhr: „Aniara“, die Oper des modernen schwedischen Komponisten Karl-Birger Blomdahl, ist am 31. Mai 1959 in Stockholm uraufgeführt worden. Hier diese „Revue von Menschen in Zeit und Raum“ in einer Aufzeichnung des schwedischen Fernsehens.

Mittwoch, 4. Januar. 21.45 Uhr: Das optische Eigenleben der Großstadtnacht wurde in dem Dokumentarfilm „Porträt der Nacht“ von Heinz Sasse mit der Kamera aufgezeichnet.

Donnerstag, 5. Januar. 21.10 Uhr: Fred von Hoerschelmanns Fernsehspiel „Das Fenster“ beschäftigt sich mit dem Tod des unter die Armen gegangenen russischen Grafen Leo Tolstoi – ohne den berühmten Schriftsteller selbst auftreten zu lassen.