sr, Nagold

Na also! Endlich eine zeitgemäße Klassifizierung der Menschheit schlechthin. Richterliche Weisheit hat sie uns beschert. Schließlich waren die üblichen Unterschiede nach Geburt, Geldbeutel, Rang und Stand überholt. Das neue Rezept ist erstaunlich einfach. Endlich eine klare Einteilung: Fußgänger, Radfahrer, Kraftfahrer!

Es soll gelegentlich vorkommen, daß bei der polizeilich angeordneten Untersuchung eines Kraftfahrers festgestellt wird, daß der Zwangsuntersuchte: zu wenig „Blut im Alkohol“ hat. Das hat dann in der Regel ein gerichtliches Nachspiel. So auch unlängst ein Fall vor dem Amtsgericht in Nagold. Dort stand zum wiederholten Male ein 25jähriger Hilfsarbeiter wegen Trunkenheit am Steuer vor Gericht. Strafe mußte sein. Das Gericht belegte den Angeklagten mit einer Haftstrafe und erkannte auf Entzug der Fahrerlaubnis auf Lebenszeit. In Ordnung. Vermutlich aber war diese Strafe dem Richter nicht abschreckend genug und so verurteilte er den Angeklagten zusätzlich zum „Fußgänger auf Lebenszeit“.

Das gibt aber zu denken! Welche Konsequenzen! Darf der Verurteilte von nun an nie wieder fahren, fliegen, per Schiff reisen? Soll das Urteil heißen, daß es ihm fortan sogar verboten ist, ein Taxi oder die Straßenbahn zu benutzen?

Es ist im Zeitalter des modernen Verkehrs ja wirklich schon eine Strafe, Fußgänger zu sein! Man hat als solcher doch kaum mehr als das Recht, sich bei passender Gelegenheit irgendwann und irgendwo überfahren zu lassen. Und so betrachtet, ist das Zusatzurteil beinahe ein Todesurteil...

Hoffentlich hat der Richter nicht mal einen im Verkehr straffällig gewordenen Fußgänger abzuurteilen. Auch das soll ja mitunter vorkommen. Was dann, Herr Amtsrichter? Da kann man nur sagen, freie Bahn der richterlichen Phantasie!

Fußgänger aller Länder... halt, das ist ja auch überholt, darum: Zeigt, daß ihr da seid und fest auf euren Beinen steht. Fußgänger auf die Zebrastreifen!