DIE ZEIT

Im Schatten des Kanzlers

Ob Sonnenschein, ob Regenschauer, das deutsche Volk wählt Adenauer". – So reimten die Wahlkampfpoeten der CDU im Jahre 1957.

Die neue Weltkarte

Zu unpolitisch? Was könnte gemeint sein? Vielleicht zuwenig Politik – zuviel Wirtschaft, Feuilleton, Bilder? Oder vielleicht innerhalb der politischen Sparte die Politik nicht konzentriert, nicht akademisch genug, gleichsam zu "feuilletonistisch"? Der Betreffende, ein keineswegs unbekannter Mann, gab selbst die Antwort: "Bei euch ist zuviel von Asiaten, Afrikanern und allen möglichen Farbigen die Rede und zuwenig von Berlin, der Wiedervereinigung und unserer Ostpolitik.

Sowjet-Diplomaten

Kürzlich wurden wichtige Umbesetzungen im sowjetischen diplomatischen Dienst bekanntgegeben. Nach Rumänien, Jugoslawien und Albanien wurden neue Sowjetbotschafter entsandt.

Im Raketen-Schießstand der USA

Ringsum ist tropische Wildnis. Tote Teiche, moosige Augen; verfaulte Gewässer. Eine Wüstenei aus Sumpf und Sand – Mangroven, Farne, Krüppelkiefern, Luftwurzeln, Lianengeschling.

Die Worte des Jahres

„Ike wäre, wenn er nicht die Altersgrenze überschritten hätte, ... ein guter Kindergartenleiter, denn er besitzt die dazu wesentliche Eigenschaft: Güte.

Sonnenaufgang in einem Lama-Kloster

Es ist schon dunkel, als wir das einsame Kloster hoch in den Manhuil-Bergen erreichen. Wie eine Festung liegt das Haus der Meditation inmitten steil aufsteigender Mauern am Rande einer zerklüfteten Schlucht.

Als Nordafrika germanisch war...

Man spricht so gern vom Geist der Geschichte und knüpft Prognosen daran, die sich dann oft genug als falsch erweisen. Aber wer kennt wirklich die geschichtlichen Tatsachen lange vergangener Zeiten? Wer fällt nicht überlieferten Vorstellungen zum Opfer, weit verbreiteten Vorurteilen, obwohl man doch weiß, daß weite Felder der historischen Entwicklung unserer Erde noch unbekannt sind? Dies trifft für Deutschland, aber auch für andere Länder zu .

Der Vatikan schweigt

Der Erzbischof von Canterbury und Primas von England, Dr. Geoffrey Fisher hatte bei seinem Besuch im Vatikan am 2. Dezember das Oberhaupt der katholischen Kirche mit den Worten begrüßt: „Eure Heiligkeit, wir machen hier Geschichte.

Baden-Württemberg: „Fußgänger auf Lebenszeit“

Na also! Endlich eine zeitgemäße Klassifizierung der Menschheit schlechthin. Richterliche Weisheit hat sie uns beschert. Schließlich waren die üblichen Unterschiede nach Geburt, Geldbeutel, Rang und Stand überholt.

...so ist es Mühe und Arbeit gewesen

Auf gekühltem Lager ruhen Hühner, Gänse und Puter. Der Infrarotgrill rotiert neben Enten, Rehrücken und Fasanen. Im Hintergrund glänzt Leberwurst, glänzt Speckschwarte, glänzt das gerundete Gesicht des Geschäftsinhabers.

Zwölf Jahre lang Französische Ära

Artikel I. Die Französische Ära beginnt mit der Gründung der Republik, am 22. September 1792 alten Stils – im folgenden ‚Sklavenstil‘ genannt – am gleichen Tage, als die Sonne in das Herbstäquinoktium und das Tierkreiszeichen der Waage eintrat, und zwar um 9 Uhr 18 Minuten 30 Sekunden morgens, gerechnet nach dem Meridian von Paris.

Und die Leser?

Daß es in unserer lebhaften Diskussion um die angemessene Art und Weise der Buchkritik nicht nur um interne Fragen und Streitigkeiten ging, zeigten uns die vielen Leserzuschriften.

Legende eines Kunstsammlers

Mr. Thompson ist ein großer Stahlindustrieller, der 35 Jahre in Pittsburgh gelebt hat und nebenbei Kunstwerke sammelte. Das tun viele amerikanische Millionäre, seitdem der Kunsthändler Joseph Duveen sie auf den Geschmack gebracht hat.

Die schönsten Schallplatten

Hugo Wolf; Fischer-Dieskau-Album mit 35 Goethe-, 20 Eichendorff-Liedern, 14 Liedern nach verschiedenen Dichtern und 23 Gesängen aus dem Spanischen Liederbuch; Klavierbegleitung Gerald Moore (Electrola; fünf Platten in Leinenkassette mit Texten, E 200 000, 105 DM, einzeln je 24,– DM).

Großer Lärmpreis 1960

„Irgendsoein Radiobesitzer in Offenbach“, gab er mir Bescheid, „der stellte seine Kiste, natürlich mit selbstgebastelten Lautsprechern, auf seinem Balkon auf und drehte auf volle Lautstärke.

Beim Automatenkönig

Die Münze fällt. Das blinkende Ärmchen greift sich eine der schwarzen Scheiben aus der Reihe und raspelt, folgsam und laut, das Lied vom wackeren Cowboy herunter.

Vor dem Papierkorb gerettet

Gedichte, die uns 1960 auch erreichten: Das Mann und das Glück – Vor allem das GELD – Marken klebt man leise auf Vorzüge eines Hutes – Bismarcks Kirche vom Zeisig – Ein Pferd zum Reiten

Zeitmosaik

In Hamburg erhielt Dieter Waldmanns Komödie „Von Bergamo bis morgen früh“ bei ihrer Uraufführung mehr Beifall, als dort je das Stück eines deutschen Nachwuchsautors eingebracht hat.

Die Regierung und die Schulen

Susanne ist acht, zweite Klasse, und so vertrauensvoll, wie sich das in ihrem Alter gehört. Der Tod des greisen Vaters der Werktätigen hatte sie sichtlich erschüttert.

Dreimal Egk

Die Doppelbegabung für Musik und Schriftstellerei ist häufig und datiert keineswegs erst aus dem Zeitalter der Romantik, wie vielfach behauptet wird.

Das neue französische Wörterbuch

Der Pariser Literaturexeget Roland Barthes meint, daß hier ein seriöser Mann das Seriöse verhöhnt habe – auf seriöse, Seriöses schaffende Weise, in die Welt gesetzt mit der Schlinge der Infragestellung, eine Katze, die sich in den Schwanz beißt, ein unentrinnbarer Kreis, der eine überall hin offene Fläche ist.

Des Wohnens ernste Pracht

Weihnachten ist ein Fest der hohen Wohnkultur geworden. Alle Jahre wieder und alle Jahre mehr. Überall wird den Illustriertenlesern empfohlen, Stiche und Sessel, Kamine und nette kleine Barockmadonnen zu verschenken, jeder bessere Antiquitätenladen verdoppelt ab Oktober seine Preise und rät den Kunden zu garantiert echten Meßgewändern als Fernsehtruhenbehang.

Mein Gedicht: Weltende

Ein Jahr lang habe ich mich gefragt: Welches ist „Mein Gedicht“? Antwort: Kein Gedicht. Denn ich vermag nicht, nach einem langen Leben in und mit der Dichtung vieler Zeiten und Völker, ein einzelnes, ein einziges Gedicht herauszuheben als mein Lieblingsgedicht.

Fasziniert von Deutschland

Somary und Stolper kannten sich, waren miteinander und mit Joseph Schumpeter, ihrem Landsmann und Akademiker ihres Faches, befreundet; alle drei gingen nach dem Ersten Weltkrieg aus Österreich weg.

Den Traum bewahren

Ein neuer Roman von Hermann Stahl, der es seinen eingeschworenen Kritikern schwermachen wird

Lob der Wandervögel

Die „Jugendbewegung“ ist eines der rätselhaftesten Ereignisse in der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts. Wir erkennen erst allmählich, wie umfassend ihre – oft unterirdische – Wirkung auf alle Lebensbereiche war, von „Weltanschauung“ und Dichtung über Musik und Wohnkultur bis zur Körperpflege, zum Stil von Kleidung und Haartracht.

Die First Lady der Weltliteratur

Sie ist leider sehr erfolgreich, sie ist auf dem besten Wege, die Lolita von 1960 zu werden. Gestern hieß es in England noch: 1 500 000; heute schon kann das überholt sein.

Schweigen über Schweigen

Der Sucher in diesem Roman wird „der Matrose“ genannt und heißt Unfreund; der Name ist halb symbolisch, ebenso wie einige der anderen Namen.

Urlaub im Eigenheim

Jetzt Pläne machen für den Frühling und den Sommerurlaub! Sehr rechtzeitig ist der Scharnow-Prospekt „Ferienwohnungen“ herausgekommen, der Urlaubshäuser, Chalets, Bungalows in „allen klassischen Ferienlandschaften Europas“ an bietet von Finnland bis zu Spaniens „Sonnenküste“.

Schuddu in Griechenland

Man könnte meinen, es sei eine Weinschaumsoße. Doch ist es ein Fragespiel, das ich Touristen selbst im japanischen Thermalbad von Hakone und in Angkor im Urwald von Kambodscha spielen hörte.

Rheinfahrt

Das im Sommer 1960 in Dienst gestellte Kabinenschiff „Europa“ der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt wird im kommenden Frühjahr ein Schwesterschiff erhalten.

Dem Harz ist jedes Wetter recht

Dem Harz können Einflüsse, die anderenorts leere Betten und Löcher in den Kurkassen zur Folge haben, offenbar nicht viel anhaben.

Die Schutzzöllner heben das Haupt

Was tut nun die amerikanische Wirtschaft, um der wachsenden und bedeutenden ausländischen Konkurrenz zu begegnen? Einmal erhöht sie im großen Maßstab ihre Investitionen in Übersee.

Statt der goldenen sechziger Jahre kam die Flaute

Um die Jahreswende 1959/60 waren sich die amerikanischen Wirtschaftspropheten so ziemlich einig in der Voraussage, das neue Jahr werde die „goldenen Sechziger“ einleiten.

Zeitraffer

Der Ministerrat der EWG gab sein Einverständnis für eine beschleunigte Verwirklichung des Gemeinsamen Marktes auch auf dem Agrarsektor.

Noch immer ist Erhards Waffenarsenal leer

Ein Jahrzehnt Konjunkturaufschwung hat ausgereicht, das schreckliche Wort Wirtschaftskrise aus dem gesellschaftsfähigen Sprachschatz zu löschen und in das Vokabularium der Theorie zu verbannen.

Welche Ermächtigungen für Bonn

Doch selbst eine solche Vorsorge gilt gemeinhin als Sünde wider den Geist der guten Konjunktur. Unzählige Argumente sind denn auch in der jüngsten Konjunkturdiskussion gegen die Erteilung entsprechender Ermächtigungen an die Regierung vorgebracht worden: Allein psychologisch würden sie „contraproduzent“ wirken; man dürfe bei etwas erhöhter Temperatur nicht gleich Penicillin geben; eine solche konjunkturpolitische „Aufrüstung“ sei unnötig, weil sich die Konjunktur im Ausland ja schon abschwäche; jeder Interventionismus mache weitere Staatseingriffe erforderlich.

Maschinenbau im Investitions-Boom

Das westdeutsche Maschinenangebot umfaßt mehr als 25 000 Maschinenarten und -typen. Neben Walzwerksanlagen gehören dazu auch Spiralbohrer, neben Mähdreschern auch Schreibmaschinen, neben Karusselldrehbänken auch Ampullenverschließmaschinen – und sehr viele andere Erzeugnisse sehr individueller Prägung.

Ein Chefkoch wird in Bonn gesucht

Daß viele Köche den Brei verderben, beweist einmal mehr das Schicksal jenes Planes, Kapitalinvestitionen im Ausland steuerlich reizvoller zu gestalten.

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