Theo Löbsack: „Schwarzer Freitag im Jahre 2026“. ZEIT Nr. 51

Eine große Entwicklung läßt sich nicht aufhalten. Man sollte vielmehr ihre Forderungen erkennen und sie erfüllen. Heute zweifelt niemand mehr daran, daß es falsch gewesen wäre, das Elend der Industriearbeiter im frühen 19. Jahrhundert dadurch zu beseitigen, daß man, wie vielfach gefordert, alle Industriearbeit verbot. Selbst die Abschaffung des Kapitals führte nicht zur Befreiung der Arbeitermassen. Erst die folgerichtige Weiterführung der industriellen Entwicklung zur Automation hin erhöhte den Lebensstandard des Arbeiters und stellte seine menschliche Würde wieder her. Mit der Erhöhung des Lebensstandards aber gehen erfahrungsgemäß auch die Geburten zurück.

Jeder Volkswirtschaftler kennt den Begriff der „kritischen Bevölkerungsdichte“, der etwa besagt: Ein Gebiet, das ein Ackerbauer für dünn besiedelt hält, ist in den Augen eines Nomaden bereits hoffnungslos überbevölkert; der Nomade müßte, um aus seiner Misere herauszukommen, zu einer anderen Bodennutzung übergehen. Die Erde, als Ganzes gesehen, steht an einem solchen Punkt: Nach unserem heutigen Wirtschaftssystem geht sie zweifellos einer Überbevölkerung entgegen. Um aber die nächst höhere Wirtschaftsform erreichen zu können, brauchen wir – so unglaublich es klingt – einfach mehr Menschen! Gerade in der Bundesrepublik erleben wir gegenwärtig, wie verhängnisvoll sich ein Mangel an Menschen auswirkt, obwohl wir erst auf dem Wege zu einer neuen Form der Weltwirtschaft sind. Deren Kennzeichen werden sein: Hohe Automation, kurze Arbeitszeit, lange Altersversorgung, hohe Verkehrsdichte und Enthaltung der Städte zu Parklandschaften. Zusammen: ein weitaus höherer Lebensstandard wie heute – und das für alle Menschen auf der Erde.

Es hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, die aus Angst vor dem unbekannten Neuen lieber das Alte, und sei es noch so unvollkommen, mit Gewalt erhalten wollten. Die Entwicklung hat ihnen noch immer Unrecht gegeben. Wenn die Menschheit keinen Mut zu einer neuen Zukunft hat, dann hat sie sie nicht verdient. Sie wird dann Selbstmord begehen – sei es durch die Atombombe oder durch die Geburtenkontrolle. Wenn wir aber neue Wirtschaftsformen erreichen wollen – und wir sind trotz aller Unkenrufe auf dem Wege dazu –, dann müssen wir mutig auf die Zehn-Milliarden-Bevölkerung zusteuern und gelassen an die Aufgaben, die uns daraus erwachsen, herangehen.

Arnold Wolff, cand. arch., Aachen

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Ihr Artikel hat mich sehr beeindruckt und wird viele Ihrer Leser zum Nachdenken veranlassen. Es zeugt nur von starkem Verantwortungsbewußtsein, wenn Sie sich in so eindringlicher und zugleich sachlicher Form dieses grundlegenden Problems annehmen. Dr.-Ing. Kurt Grumbrecht, Essen