Die Verwaltung der Schultheiss-Brauerei AG, Berlin, hat einigen Grund, mit dem Ergebnis des Geschäftsjahres 1959/60 (30. 9.) unzufrieden zu sein. Während im Bundesdurchschnitt die Brauereien in diesem Wirtschaftsjahr ihren Ausstoß um 6,2 vH steigern konnten, lag das Plus im Bier bei Schultheiss einschließlich der Tochter- und Organgesellschaften nur bei knapp 1 vH. Unter Einbeziehung der alkoholfreien Getränke erreichte der gesamte Konzern mit einem Ausstoß von 1,286 (i. V. 1,282) Mill. hl sogar nur einen Durchschnittszuwachs von 0,3 vH, weil, der Absatz der alkoholfreien Getränke von 0,122 auf 0,113 Mill. hl oder um fast 7 vH zurückgegangen ist. Der Grund dafür ist ausschließlich in den ungünstigen Wetterverhältnissen des vergangenen Sommers zu suchen, wobei sich gezeigt hat, daß der Bierkonsum offenbar weniger „klima-empfindlich“ als der Verbrauch von Limonaden, Fruchtsäften, Cola- und anderen alkoholfreien Erfrischungsgetränken ist.

Dennoch können die Schultheiss-Aktionäre mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wie Generaldirektor Hans Sixtus auf Grund der noch nicht festgestellten Bilanz mitteilte, winkt ihnen nicht nur eine auf 16 (15) vH erhöhte Dividende, sondern auch ein attraktives Bezugsrecht: Wie bereits vor einigen Wochen anläßlich des Erwerbs der Müser-Brauerei AG, Bochum, durch Schultheiss angekündigt wurde, ist eine Erhöhung des AK um 5,5 auf 36 Mill. DM vorgesehen, wobei den alten Aktionären der Bezug im Verhältnis 8 : 1 zu einem Kurs von 150 vH (bei einem Börsenkurs von z. Zt. über 420) und mit rückwirkender Dividendenberechnung vom Beginn des laufenden Geschäftsjahres an möglich ist. Die dabei verbleibende Spitze von nom. rd. 1,7 Mill. DM soll dem Vorstand zum freihändigen Verkauf an der Börse und zur Abfindung der restlichen Müser-Aktionäre zur Verfügung stehen. Das AK der Bochumer Brauerei von nom. 1,6 Mill. DM befindet sich bereits bis auf etwa 17 vH im Schultheiss-Besitz, der Rest soll durch den Tausch gegen Schultheiss-Aktien im Verhältnis 1 : 1 erworben werden. Mit dem Erlös will Schultheiss nicht nur die Müser-Trankaktion finanzieren, sondern auch die im Berichtsjahr um rd. 2,0 auf 1,6 Mill. DM reduzierten liquiden Mittel auffrischen und die Voraussatzungen für eine intensivierte Vertriebsorgansation im Bundesgebiet schaffen. Denn letztlich ist mit dem Kauf der Bochumer Braustätte beabsichtigt, die bereits um etwa 90 vH ausgenutzte Kapazität der beiden westdeutschen Schultheiss-Brauereien-Aktienbrauerei Feldschlößchen, Minden (Westf.), und Dortmunder Bergmann-Brauerei GmbH, Dortmund, von 150 000 hl schon bis zum kommenden Frühjahr um 2 000 000 und in einer bald folgenden zweiten Ausbaustufe um weitere 200 000 hl zu steigern. G. G.