Von Gottfried Sello

Es läßt sich schwer sagen, wer legendärer ist: G. David Thompson oder seine Sammlung“, schreibt Alfred H. Barr jr., der Direktor des Museum of Modern Art in New York.

Mr. Thompson ist ein großer Stahlindustrieller, der 35 Jahre in Pittsburgh gelebt hat und nebenbei Kunstwerke sammelte. Das tun viele amerikanische Millionäre, seitdem der Kunsthändler Joseph Duveen sie auf den Geschmack gebracht hat. Sie sammeln Alte Meister oder Impressionisten, sie lassen sich von Kunsthändlern und Experten beraten, und wenn sie sich einmal in die Gefilde zeitgenössischer Kunst vorwagen, dann kaufen sie Werke, die einen allgemein anerkannten Wert repräsentieren.

Nicht so Mr. Thompson. Er hat anders gesammelt, sonst wäre er kaum zu jener legendären Figur geworden, für die ihn Alfred Barr und seine Landsleute halten. Er hat nicht berühmte Namen gekauft, er hat sich von niemandem beraten lassen, sondern dem eigenen Gefühl vertraut. Er wollte keine objektiven Werte um sich versammeln, sondern Dinge, die ihm persönlich wertvoll waren. Nach Jahrzehnten stellte sich dann heraus, daß seine Bilder und die von ihm gewählten Künstler inzwischen Weltgeltung gewonnen hatten. Die ersten Bilder von Klee erwarb er 1928, zu einer Zeit, als Klee in Amerika so gut wie unbekannt war. Aus diesen Anfängen ist dann eine der größten Klee-Sammlungen geworden.

Durch diese Klee-Sammlung ist der in der Welt der Wirtschaft wohlbekannte Name Thompson im Frühjahr 1960 auch in europäischen Kunstkreisen bekanntgeworden. Die 88 Bilder, Aquarelle und Zeichnungen wurden vom Land Nordrhein-Westfalen erworben und sollen den Grundstock für eine zu gründende Landesgalerie bilden.

Inzwischen ist die gesamte Thompson Collection nach Europa gekommen. Sie war erst im Kunsthaus Zürich ausgestellt. Jetzt ist sie im Kunstmuseum Düsseldorf, bis zum 29. Januar. Dann geht sie nach Den Haag. Das wird vermutlich die letzte Station sein. Die Sammlung wird nicht nach Amerika zurückkehren, sondern in Europa bleiben. Mr. Thompson hat beschlossen, sie aufzulösen.

Eine außerordentliche Chance für westdeutsche Museen, ihre modernen Abteilungen mit erstrangigen Werken vor allem französischer Künstler zu komplettieren!