Im Export: nur unterdurchschnittlich „gesündigt“

Von Hans Leitner

Das westdeutsche Maschinenangebot umfaßt mehr als 25 000 Maschinenarten und -typen. Neben Walzwerksanlagen gehören dazu auch Spiralbohrer, neben Mähdreschern auch Schreibmaschinen, neben Karusselldrehbänken auch Ampullenverschließmaschinen – und sehr viele andere Erzeugnisse sehr individueller Prägung. Bei solcher Vielfalt mag es gewagt erscheinen, die „Marktlage des Maschinenbaues“ mit einigen wenigen Daten markieren zu wollen. Aber die wirtschaftliche Verwandtschaftsbeziehung aller Maschinenbauerzeugnisse in ihrer Rolle als Investitionsmittel überdeckt das Anders-sein und vereinheitlicht den Markttrend unterschiedlichster Güter in der Hochkonjunktur so weitgehend, daß man getrost verallgemeinernd von dem Maschinenmarkt oder von der Maschinenproduktion und von dem Maschinenexport sprechen darf, ohne sich dem Vorwurf allzu leichtfertiger Abstraktionslust auszusetzen.

Dreimal in seiner Nachkriegsentwicklung hat der westdeutsche Maschinenbau quer durch sämtliche Fachzweige solche Phasen hochkonjunktureller Gleichrichtung erlebt: in der Zeit des „Koreabooms“ 1951/52, im Jahre 1955 und nun also im Jahr 1960, dem wieder sämtliche 35 Sparten die Note „gut“ oder „sehr gut“ geben dürfen. Vergleicht man die in den drei „Hochs“ erzielten Produktionssteigerungen miteinander, so war das erste Hoch (1951/52) das sprungkräftigste, das letztjährige (1960) dagegen das in absoluten Zahlen ergiebigste.

Die Übersicht erinnert noch einmal daran, welch ein außergewöhnliches Wachstumstempo die Industrie ganz allgemein in den Jahren nach der Währungsreform vorlegte. Sie zeigt gleichzeitig aber auch, wie kraftvoll sich die wirtschaftliche Expansion bis zur Gegenwart fortgesetzt hat. Auch bei Ausschaltung der in den Vergleichszahlen enthaltenen Preissteigerungen wird dieser Eindruck nicht geschmälert. Die Relationen bleiben so gut wie unverändert.

Der von 1959 auf 1960 erzielte Zuwachs muß, was seine Höhe angeht, alle diejenigen überraschen, die schon zu Jahresbeginn deshalb zur Dämpfung der Investitionstätigkeit rieten, weil sie – wegen der Arbeitskräfte-Knappheit – an der Produktionselastizität der Investitionsgüterindustrie zweifelten. Aber dieser Mangel an „Händen“ erwies sich als relativ. Zwar hat der Maschinenbau nicht so viel Ingenieure und Arbeiter zusätzlich eingestellt, wie er einzustellen wünschte – doch mehr, als zu erwarten war. Ende 1960 lag seine Beschäftigtenzahl bei 940 000 und damit um 8 vH über dem Stand von Ende 1959. Wo die 75 000 „Neuen“ herkamen, kann man nur raten. Neben Zonenflüchtlingen und Ausländern waren es wohl größtenteils Platzwechsler aus anderen Zweigen der Eisen- und Metallverarbeitung – und warum auch nicht! Die Rolle des Maschinenbaues als „Hüter des Produktivitätsfortschritts“ bedingt geradezu eine solche Umverteilung – mag sie auch den Wirtschaftszweigen, die ihre Leute dahinziehen sehen, bitter schmecken.

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