Ein jüngerer österreichischer Schriftsteller, der sich auch schon als Erzähler, Lyriker und Dramatiker versucht und zwei österreichische Literatur-Förderungs-Preise erhalten hat, legt jetzt seinen ersten Roman vor –

Hans Lebert: „Die Wolfshaut“; Claassen Verlag, Hamburg; 448 S., 19,80 DM.

Der Titel klingt an einen Text aus Wagners Walküre an, in dem der Versprengte auf der Suche nach der Spur seines Vaters nur ein leeres Wolfsfell im Wald findet.

Der Sucher in diesem Roman wird „der Matrose“ genannt und heißt Unfreund; der Name ist halb symbolisch, ebenso wie einige der anderen Namen. Auch der Ort der Handlung hat einen mehr als halbsymbolischen Namen: Schweigen – er soll irgendwo in Österreich liegen.

Über Schweigen liegt zähes, verstocktes Schweigen. Dem Matrosen, der wissen möchte, warum sein Vater bei Kriegsende Selbstmord begangen hat, will keiner etwas sagen. Etliche andere Geheimnisse liegen in der Luft, und während sich der Matrose an die Ergründung der Wahrheit macht, kommt es zu einigen Todesfällen. Mindestens ein Mann stirbt, weil er nicht geschwiegen hat. Andere scheinen von rächenden Geistern geholt worden zu sein.

Die Lösung, die den Matrosen fast das Leben kostet, enthüllt Schuld aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, einen sinnlosen Mord an Fremdarbeitern, in den auch der alte Unfreund mitverstrickt war.

„Die Wolfshaut“ ist ein recht ungewöhnliches Buch. Eine Verbindung von Spukgeschichte und Zeitproblematik scheint ja an sich nicht besonders überzeugend oder künstlerisch erstrebenswert. Dennoch gelingt es Hans Lebert, nicht nur ein innerlich wahr wirkendes, sondern auch ein ungewöhnlich spannendes Buch zu schreiben. Obwohl über Schuld und Politik so gut wie gar nicht gesprochen wird, gewinnt man doch durch die Geschichte selber allerlei Einblicke in Verstrickungen, Hintergründe und Abgründe der politischen Haltungen und Phrasen des Dorfes Schweigen; vielleicht mehr als durch lange, tiefgründige Erörterungen.