Kürzlich wurden wichtige Umbesetzungen im sowjetischen diplomatischen Dienst bekanntgegeben. Nach Rumänien, Jugoslawien und Albanien wurden neue Sowjetbotschafter entsandt. Die Umbesetzungen zeugen nicht nur vom Bestreben Chruschtschows, treue Parteifunktionäre auf wichtigen diplomatischen Posten einzusetzen, sondern auch von dem Versuch Moskaus, den chinesischen Einfluß in der albanischen Parteiführung zurückzudrängen und die schlechten sowjetisch-jugoslawischen Beziehungen nicht völlig einfrieren zu lassen.

Seit 1954 ist Chruschtschow bestrebt, als Botschafter in die Länder des Ostblocks nicht Berufsdiplomaten zu entsenden, sondern Funktionäre des Parteiapparates. Im Laufe des letzten Jahres ist diese Tendenz noch deutlicher geworden. So wurde zum neuen Botschafter in Rumänien der bisherige Stalingrader Gebietssekretär Shegalin ernannt, der seit 1952 dem Zentralkomitee als Vollmitglied angehört und seit Februar 1956 als Erster Parteisekretär die bedeutende Stalingrader Parteiorganisation führt. Shegalin fiel auf dem 21. Parteitag – Ende Januar 1959 – durch seine Angriffe gegen die parteifeindliche Gruppe auf.

Zum gleichen Zeitpunkt wurde Alexej Jepischew, bis 1954 erster Gebietssekretär von Odessa und seitdem Botschafter in Rumänien, von diesem Posten abberufen; er soll nun die Sowjetunion in Belgrad diplomatisch vertreten;

Die politisch bedeutsamste Umbesetzung ist die Ernennung von Generaloberst J. W. Shikin zum neuen Sowjetbotschafter in Albanien. Bereits im September 1959 war der bisherige Sowjetbotschafter in Tirana, W. 1. Iwanow, zurückgezogen worden – zu einer Zeit, als die albanische Parteiführung ihre anti-jugoslawischen Ausfälle über das von Moskau erwünschte Maß hinaustrieb und in dem sowjetisch-chinesischen Konflikt eine Stellung einzunehmen begann, die dem Pekinger Standpunkt sehr nahe kam.

Generaloberst Shikin gehört zu den interessantesten Figuren der sowjetischen Parteihierarchie. Nach Kriegsende avancierte er zum Chef der politischen Hauptverwaltung der sowjetischen Streitkräfte, wurde aber Anfang 1949 von diesem wichtigen Posten entfernt. In Parteikreisen ging damals das Gerücht um, Generaloberst Shikin habe sich der anti-jugoslawischen Kampagne widersetzt. Erst nach Stalins Tod tauchte Shikin wieder auf. Nach dem 20. Parteitag im Februar 1956 wurde er zum stellvertretenden Leiter der Abteilung Parteiorgane im sowjetischen Zentralkomitee ernannt, eine Funktion, die er bis jetzt innehatte.

Die Ernennung eines so profilierten Funktionärs zum neuen sowjetischen Botschafter in Albanien zeigt das Bestreben Moskaus, die ungehorsamen albanischen Parteiführer wieder auf die Moskauer Linie zu bringen. W. L.