Die Howaldtswerke Hamburg AG, Hamburg, führt an den Alleinaktionär Bund (von Privatisierung spricht man nicht mehr) für das Geschäftsjahr 1959/60 (31. 8.) wieder eine Dividende von 10 vH ab. Da sich die Ausschüttung auf ein relativ kleines Grundkapital (10 Mill. DM bei 16,3 Mill. DM Rücklagen) errechnet, fällt der zur? Verfügung zu stellende Betrag kaum ins Gewicht. „Wir hätten natürlich mehr zahlen können“, sagte der Vorstandsvorsitzende Theodor Schecker, „aber wir hielten es nicht für richtig, in der gegenwärtigen für den Schiffbau schwierigen Situation die Dividende zu erhöhen!“

Wie sieht es im deutschen Schiffbau aus? Die Schiffahrtsflaute hatte zu einer Zurückhaltung der Reeder in der Bestelltätigkeit geführt. Um die Beschäftigung der Werften zu sichern, mußten die Aufträge zu gedrückten Konditionen hereingenommen werden. Besonders hart ist der Wettbewerb gegenüber den Auslandswerften, die oftmals durch Staatssubventionen gestützt werden. Außerdem spielt eine Rolle, daß das Angebot an Neubauten aus den Ländern des Ostblocks steigt, die ihre Preise nicht nach kaufmännischen Gesichtspunkten festzusetzen brauchen. Ferner sind die deutschen Werften nicht in der Lage, die Kreditbedingungen anzubieten, die in anderen Ländern vielfach gewährt werden. Weiter bestehen in der Exportförderung der Konkurrenzländer entscheidende Unterschiede, die sich zu Lasten der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Werftindustrie auswirken.

Aber die verschlechterte Preissituation ist nur die eine Seite. Auf einem anderen Blatt stehen die steigenden Personalkosten. Es ist Howaldt-Hamburg zwar gelungen, den Beschäftigungsstand auf 8531 (8116) zu erhöhen, aber nur mit Hilfe von spanischen Arbeitskräften, die einen zusätzlichen Sozialaufwand erforderten. Er hat mit zur Ausweitung der Personalkosten auf 70,9 (65,2) Millionen DM beigetragen. Allein dieser Posten zehrte 40 vH der Umsatzerlöse von 186,7 Mill. DM auf.

Die Werft hat im Berichtsjahr eine Tonnage von 125 419 (135 000) tdw abgeliefert. Sie war im Reparaturgeschäft gut beschäftigt, und auch die Nebenbetriebe konnten befriedigend genützt werden. Mit den vorliegenden Aufträgen ist die Werftkapazität bis Ende 1961 voll ausgenutzt. Für 1962 sind noch einige Helgenplätze frei. Man hat jedoch keine Eile, sie jetzt schon zu belegen, weil man zuversichtlich auf bessere Schiffbaupreise hofft. Nach einer Prognose der Werft ist das Gleichgewicht zwischen der vorhandenen Tonnage in der Welt und dem Bedarf an Seetransportraum demnächst erreicht. Bei den Trockenfrachtern ist das jetzt schon der Fall, bei den Tankern wird man darauf noch einige Zeit warten müssen. Interessant ist, daß unter den im Geschäftsjahr 1959/60 abgelieferten Schiffen keines war, das an deutsche Reeder ging. Davor betrug der deutsche Anteil noch 43,4 vH. Inzwischen ist eine Wende eingetreten. Angelockt durch die niedrigen Schiffbaupreise haben die deutschen Reeder ihre Bestelltätigkeit verstärkt. Von acht Schiffsneubauten, die seit Anfang 1960 hereingenommen werden: konnten, gehen allein sieben an deutsche Reeder.

Für die Werften unbefriedigt gelöst ist das Schiffbaufinanzierungsproblem. Praktisch müssen die Werften selbst die II. Hypothek aufbringen, die früher staatsverbürgt war. Damit fallen den Werften Bankiersaufgaben zu, die ein Industriebetrieb eigentlich nicht wahrnehmen kann. In der Bilanz per 31.8. 1959 sind bei den Howaldtswerken die gestundeten Baupreisforderungen auf 14,5 Mill. DM in die Höhe geschnellt. Sie werden weiter steigen. Damit tauchen Liquiditätsfragen auf, die es bei den Werften früher nicht gab.

K. W.