Es ist erfreulich, daß der Bundesfinanzhof neue Ausbildungsmethoden für Kinder als steuerbegünstigt anerkennt. Heute gehen mehr Jugendliche als früher in das Ausland, um Sprachen zu lernen. Vielen Eltern fehlen jedoch die Geldmittel, um einen Auslandsaufenthalt ihrer Kinder bezahlen zu können. Aus diesem Grund sind Mädchen oft als Haushaltshilfen tätig. Für das Finanzamt ergab sich dabei die Frage, ob unter diesen Umständen Kinderfreibeträge oder außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden können.

In einem grundsätzlichen Urteil vom 15. Januar 1960 (BStBl. 1960 II S. 118) hat der Bundesfinanzhof festgestellt, daß ein etwa einjähriger Auslandsaufenthalt eines Kindes zur Vervollkommnung der Sprachkenntnisse auch dann als Berufsausbildung anzusehen ist, wenn sich das Kind in einer Familie als Haushaltshilfe aufhält. In der Begründung heißt es:

„Es ist nach dem zweiten Weltkrieg in weiten Volkskreisen üblich geworden, daß junge Mädchen durch Übernahme einer hauswirtschaftlichen Beschäftigung bei einer teuren Aufenthalt in einem fremden Land ermöglichen, um die fremde Sprache zu erlernen oder die Kenntnisse darin zu erweitern. Selbst wenn sie dabei einen großen Teil des Tages im Haushalt zubringen, wird dieser Zweck bereits durch die unumgänglich notwendige Unterhaltung mit den Familienangehörigen weit besser erreicht, als dies in einer inländischen Schule möglich wäre. Ein solcher Aufenthalt wird, wenn er ungefähr ein Jahr nicht überschreitet, regelmäßig als Berufsausbildung anzusehen sein, sofern nicht besondere Anhaltspunkte gegen das Vorliegen einer Berufsausbildung sprechen.“

Die Finanzbehörden vertreten noch häufig den engherzigen Standpunkt, daß eine Berufsausbildung im Ausland nur selten Steuervergünstigungen rechtfertige, weil sie nur selten zwangsläufig sei. Das ist wirtschafts- und zeitfremd. Beispielsweise genügen Schulkenntnisse in Fremdsprachen nicht, so daß ein Auslandsaufenthalt notwendig wird. Der Bundesfinanzminister sollte dies allgemeinverbindlich klarstellen, um eine widerspruchsvolle Rechtsprechung und die höchst unterschiedliche Behandlung durch die Finanzämter zu beseitigen. -ke