Gru-/Köln

Einsamen Herzen Trost zu spenden, gehört vornehmlich zum Aufgabenkreis karitativer Unternehmungen. Daß auch andere Leute gern Tröster sind, erfuhr man jetzt vor dem 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichts in Köln. Dort stritten sich der Kölner Gastronom Blatzheim und das Ehepaar Freese aus Hamburg um das Recht, für die „reifere Jugend“ von Köln einen „Ball der einsamen Herzen“ zu veranstalten.

Das Ehepaar Freese hatte gegen den Kölner Gastronomen eine einstweilige Verfügung beantragt. Damit sollte der Blatzheim AG. untersagt werden, eine wöchentliche Veranstaltung in ihrem Kölner Lokal „Weindorf“ als „Ball der einsamen Herzen“ zu bezeichnen. Nach Meinung der Freeses ist der Gebrauch dieses Namens ein grober Verstoß gegen die Bestimmungen des Wettbewerbsgesetzes. Denn ihr Unternehmen – seit 1954 mit Erfolg betrieben – nennt sich ebenfalls „Ball der einsamen Herzen“.

Angefangen hatte die ganze Geschichte in einem kleinen Café in Hamburg-Eppendorf, das nicht recht florieren wollte. Um das Geschäft rentabler zu machen, veranstalteten die Inhaber einen „Ball der einsamen Herzen“. „Diese glorreiche Idee hat so großartig eingeschlagen“, meinte der Rechtsanwalt des Hamburger Ehepaares, „daß man 1954 das Firmenschild ‚Ball der einsamen Herzen‘ über die Türe hing.“ Damit sich auch wirklich nur einsame Herzen bei Freeses trafen, stand am Eingang: „Eintritt unter 25 Jahren zwecklos.“

Der Rechtsanwalt bezeichnet das Tanzcafé als eine „durchaus seriöse Sache“. Die Geschäftsführerin kümmere sich mütterlich um ihre Besucher und sorge dafür, daß die einsamen Herzen nicht länger einsam bleiben. Zur Anregung werde Sekt und Likör serviert – Hausmarke „Ball der einsamen Herzen“. Bei den Tanzveranstaltungen gäbe man einer „gemäßigten Linie“ den Vorzug. „Die Kapelle spielt Rheinländer, Walzer und höchstens mal einen Foxtrott. Alles in allem herrscht beim Ball der einsamen Herzen eine gedämpfte Erotik.“

Große Freude ist immer dann, wenn sich auf Grund vereinter Bemühungen zwei einsame Herzen gefunden haben. Für diese Gelegenheit bewahrt die Geschäftsführerin ein Stammbuch auf, in das sich die Paare eintragen.

Schon 1955 gründete das Hamburger Ehepaar eine Tochterfirma in Düsseldorf. Zur gleichen Zeit ließen sie den Namen „Ball der einsamen Herzen“ als Warenzeichen in das Handelsregister eintragen. Der Zweigniederlassung in Düsseldorf folgten bis zum Jahre 1960 weitere Gründungen in Frankfurt, Mannheim, München, Kiel und Essen. Anfang 1960 schloß das Hamburger Stammcafe ein Abkommen mit einer „Lizenzverwaltung“ in Mannheim. Diese Firma versprach den Freeses, „die Sache ganz groß in Deutschland aufzuziehen“. Wer fortan die Lizenz für einen „Ball der einsamen Herzen“ erwerben wollte, mußte die Lizenzverwaltung in Mannheim darum bitten. Jeder Veranstalter erhielt dann die Auflage, pro ausgegebener Garderobenmarke zwanzig Pfennig an die Lizenzverwaltung abzuführen.