Sorgen um andere – Wolken am indonesischen Himmel

Von A. E. Johann

„Westdeutschland birst vor Reichtum, muß aber noch lernen, wie man Hilfe leistet.“ Dieses Wort des pakistanischen Staatspräsidenten Ayub Khan, der im Januar die Bundesrepublik besuchen wird, drückt genauso die halbe Wahrheit aus wie die oft gehörte Forderung mancher unterentwickelter Staaten: „Deutschland braucht uns nur Geld zu geben – was wir damit anfangen, wüßten wir schon.“ Unser Autor A. E. Johann, der vor drei Jahren auf einer Weltreise den Zustand und die Entwicklung der Länder aller Kontinente untersuchte und darüber in der ZEIT unter dem Titel „Wohin rollst du, Globus?“ berichtete, hat sich wiederum auf eine lange Reise begeben, die die Möglichkeiten westdeutscher Wirtschaftshilfe für unterentwickelte Länder ergründen sollte. Am Beispiel Indonesiens erläutert er hier, daß knappe allgemeine Regeln für eine Entwicklungshilfe nicht zu formulieren sind, solange Deutschland nicht weiß, auf welche Weise es helfen will – und solange die Bedürftigen keine Garantie für eine sinnvolle Zusammenarbeit bieten können.

Djakarta, Ende Dezember

Wir hatten über Pantjasila gesprochen, die „fünf Elemente“, die den neuen Staat Indonesien begründen sollen. Die führenden Männer dieses Landes wenigstens werden nicht müde, von jenen fünf hohen Prinzipien zu reden: Liebe zu Gott, Menschlichkeit, Bereitschaft, die Nation zu fördern und zu verteidigen, Achtung vor der Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Vorläufig, so meine ich, sind es fünf schöne, strahlende Wolken am tiefblauen Tropenhimmel über dem Inselreich geblieben. Noch rauscht aus ihnen kein befruchtender Regen zur Erde.

Und dann hatten meine Gastgeber ganz unvermittelt die gleiche Frage an mich gerichtet, die mir schon ein dutzendmal in diesen ersten Tagen meines Aufenthaltes gestellt worden war: „What is wrong with Indonesia?“ – Was ist verkehrt mit Indonesien?

Das Mittagessen hatte die Debatte auf halbem Wege unterbrochen. Jeder atmete heimlich auf. Der Nasi Goreng, der gebratene Reis mit den vielen feurigen Zutaten, hatte vorzüglich gemundet. Nun war die Stunde der Siesta angebrochen für jedermann, für Herren und Diener, für Katzen und Wasserbüffel. Die drückend heißen Stunden des frühen Nachmittags werden vernünftigerweise nach allgemeiner Gewohnheit verschlafen.