Glücklicherweise kann der Mensch nur einen gewissen Grad des Unglücks fassen; was darüber hinausgeht, vernichtet ihn oder läßt ihn gleichgültig. J. W. v. Goethe

Die Geburt eines Dramatikers

In Hamburg erhielt Dieter Waldmanns Komödie „Von Bergamo bis morgen früh“ bei ihrer Uraufführung mehr Beifall, als dort je das Stück eines deutschen Nachwuchsautors eingebracht hat. Viele Hebammen hatten zu dieser glücklichen Geburt beigetragen: der Journalist Erich Franzen, der als erster die öffentliche Aufmerksamkeit auf Waldmann lenkte; der Verleger Siegfried Unseld, der dem Autor die Möglichkeit gab, ohne finanzielle Sorgen zu arbeiten; die Schauspieler des Hamburger Schauspielhauses, denen diese in unsere Zeit hineingezogene Commedia dell’arte spürbare Spielfreude in die Glieder trieb – allen voran Heinz Reincke, ein herrlicher Harlekin. Der Löwenanteil an dem geradezu sensationellen Erfolg dieser Inszenierung gebührt jedoch zweifellos dem genialen Regisseur: Gustaf Gründgens. Wieviel Waldmann ihm verdankt und wieviel sich selber: das werden die hoffentlich zahlreichen Inszenierungen dieses Stückes an anderen deutschen Bühnen zeigen.

Briefschreiber GBS

In einem Koffer wurden kürzlich 125 gebündelte Briefe gefunden, die George Bernard Shaw in den Jahren 1921 bis 1949 an die amerikanische Schauspielerin Molly Tompkin geschrieben hat, mit der er im Alter von 65 Jahren (sie war damals 24) Freundschaft schloß. Ein New Yorker Verlag (Clarkson N. Potter) hat die Briefe inzwischen als Buch herausgegeben.

Nur für Bibliomanen

Mit allem Raffinement moderner Reproduktionskunst hat ein kleiner New Yorker Verlag, Pageant Books, einen in Ziegenleder gebundenen, unerhört originalgetreuen Faksimile-Nachdruck des kostbarsten Buches der Welt herausgebracht – der zweiundvierzigzeiligen Gutenberg-Bibel. Die einzige vorangegangene Faksimile-Ausgabe, die der Insel-Verlag 1913/14 versuchte, ist längst ruhmvoll in die Buchgeschichte eingegangen. Der Preis der amerikanischen Ausgabe ist ebenso beträchtlich wie ihre Qualität: etwa 3000 DM – ein Pappenstiel allerdings im Vergleich zu den Millionenbeträgen, die der Sammler für eins der 47 übriggebliebenen echten Exemplare zahlen müßte.