Von Arno Schmidt

Nach Entgegennahme und Prüfung des betreffenden Berichts des Ausschusses für Erziehung und Kultur verfügt der Nationalkonvent wie folgt:

Artikel I. Die Französische Ära beginnt mit der Gründung der Republik, am 22. September 1792 alten Stils – im folgenden ‚Sklavenstil‘ genannt – am gleichen Tage, als die Sonne in das Herbstäquinoktium und das Tierkreiszeichen der Waage eintrat, und zwar um 9 Uhr 18 Minuten 30 Sekunden morgens, gerechnet nach dem Meridian von Paris.“

Und ehe man das bekannte kleine Lächeln erzeugt oder auch nur resigniert und um eine entscheidende Spur zu historisch gebildet die Achseln hebt – à la Ben Akiba: jede politische Umwälzung tendiert anscheinend dazu, von sich aus den Beginn der Welt zu rechnen – sei einiges zu bedenken gegeben.

Man vergesse nie, sobald man den Metermaßstab zur Hand nimmt oder von Kilogrammen spricht, daß deren Einführung ihr zu verdanken ist, Unser Aller Mutter – ich sage höflicherweise „unser“ – ihr, der großen französischen Revolution von 1789. Nicht das war das Entscheidende, daß ein Meter nun ausgerechnet der zehnmillionste Teil des Erdquadranten sein sollte; und auch das wollen wir den Geodäten überlassen, sich nasenhaft darüber zu mokieren, daß man sich damals um 0,02 Prozent vermaß; der Grundgedanke war der: Maßeinheiten zu schaffen, die alle Völker der Erde akzeptieren könnten, ohne ihrer nationalen Eitelkeit Eintrag zu tun; folglich wählte man in unübertrefflich maßvoller Einsicht zur Grundlage aller Wägungen das neutrale Wasser; für Längenmessungen lieferte die uns gleichermaßen gemeinsame Erde die Einheit.

Soviel jedenfalls sei vorausgeschickt: die Männer der Revolution waren nicht nur Fanatiker und Dummköpfe!

Als Proben der Urteilsfähigkeit „objektiver Historiker“ gebe ich nur zwei sehr bekannte und zugängliche.