Das neue amerikanische Team: jung, intellektuell, gemäßigt

Von Theo Sommer

Drei Wochen, ehe er den Amtseid als neuer Präsident der Vereinigten Staaten ablegen wird, hat Kennedy sein Kabinett beisammen. Die ersten Ernennungen hatte der zukünftige Präsident den in arktischer Kälte vor seiner Washingtoner Haustür wartenden Reportern schon Anfang Dezember verkündet, die letzten gab er den Presseleuten im Sonnenschein Floridas auf seinem Besitz in Palm Beach bekannt. Schon haben sich die neuen Leute in den Hinterzimmern ihrer künftigen Ministerien eingenistet, um sich mit der Erbschaft vertraut zu machen, die sie binnen kurzem übernehmen sollen.

Dreierlei ist an dem Kabinett bemerkenswert: Es ist auffallend jung, es ist ein Gremium brillanter, doch lebenskluger "Eierköpfe", und es ist in seiner politischen Farbschattierung erstaunlich gemäßigt.

Das Durchschnittsalter des Kennedy-Kabinetts liegt bei 47 Jahren (Eisenhowers erste Regierung: 56,5 Jahre); es ist damit das jüngste amerikanische Kabinett des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Benjamin – der Präsidentenbruder Bob – ist eben 35 geworden, und Adlai Stevenson, der im Februar 61 Jahre alt wird, wirkt inmitten dieser jugendfrischen Mannschaft schon beinahe als Greis. Neben ihm ist nur noch der Handelsminister (Jahrgang 1898) über 60.

Die praktischen Intellektuellen

Jugend allein freilich ist ebensowenig wie Alter ein Verdienst. Eindrucksvoller ist denn auch die lange Liste akademischer Ehren, die Kennedys Minister fast durch die Bank angesammelt haben – Phi Beta Kapp-Bierzipfel, das Emblem der amerikanischen Universitätselite, Diplome, summa cum laude, von Harvard, Yale, Princeton – vor allem aber eben von Kennedys Alma Mater Harvard ... Eine ganze Reihe der neuen Minister hatte schon einen Lehrstuhl inne, andere haben Bücher geschrieben. Zugleich aber besitzen sie alle neben Bildung und Belesenheit auch praktische Verwaltungserfahrung. Sie gehören nicht zu den Intellektuellen, denen der Regierungsalltag fremd ist und befremdend: Sie sind Technokraten, deren Amtseignung nicht nur in ihrer Brillanz, sondern auch in ihrer administrativen Leistung und Leistungsfähigkeit begründet ist. Und dies gilt auch für die zweite Garnitur der Regierungsbeamten, die Kennedy – viele direkt von ihren Lehrstühlen weg – nach Washington berufen hat.