Neu

An heiligen Wassern (Bundesrepublik). Gisela von Collande in ihrer letzten Filmrolle. Eindringlich wie immer. Dazu einige Bundesfilmpreisträger – Regie Alfred Weidenmann, Drehbuch Herbert Reinecker. Darsteller: Hansjörg Felmy, Hanns Lothar, Karl John, Gustav Knuth, Cordula Trantow – in einer knorrigen Berg- und Trachtenschnulze nach dem Buch des Schweizer Heimatschriftstellers Jakob Christoph Heer.

Adua und ihre Gefährtinnen (Italien). Profilierte Darsteller – Simone Signoret (der wir zuletzt in dem englischen Film „Der Weg nach oben“ Beifall zollten), Emmanuela Riva, Gina Rovere, Sandra Milc und Marcello Mastroianni („Das süße Leben“) – doch kein gelungener Film. Er behandelt wieder einmal mit Sentimentalität ein Lieblingsthema der Filmproduzenten: Vier Römerinnen suchen nach der Schließung der Bordelle in Italien den Weg zurück in das normale Leben und finden ihn nicht. Regie: Antonio Pietrangeli.

Fast neu

Zazie (Frankreich). Ein virtuoses Filmexperiment von Louis Malle nach dem Buch von Raymond Queneau. Malles Film ist eine der seltenen kongenialen Übertragungen eines Buches ins Filmische. Malle drehte einige Szenen im Stil der stummen Filme Charly Chaplins. Viele Anspielungen, die die Schattenseiten des Großstadtlebens und der Zivilisation persiflieren, wenden sich an den anspruchsvollen Zuschauer. Zazie, die Göre mit dem losen Mundwerk aus verwahrlostem Milieu, wird von dem kleinen Mädchen Cathérine Demongeot gespielt.

Fabrik der Offiziere (Bundesrepublik). Mit der „Fabrik“ ist eine Heereskriegsschule im Jahre 1944 gemeint. Der Film nach dem jüngsten Roman von Hans Hellmut Kirst (Autor von 08/15) hat die Absicht zu zeigen, wie eine kleine Gruppe mit fast grenzenloser Macht großes Unheil über uns alle brachte. Regie Frank Wisbar. Wer das nicht selbst erfahren oder nach Dutzenden von Filmen, Büchern, Dokumenten inzwischen begriffen hat, dem ist allerdings mit diesem Film auch nicht zu helfen. Die Gangstergeschichte darin ist zu effektvoll, die Figuren sind schablonenhaft.

Der letzte Zeuge (Bundesrepublik). Wolfgang Staudte, der zum Denken zwingen will, wenn auch oft im Protest gegen ihn, hat einmal mehr, doch diesmal in maßvollerer Form als sonst und von hochqualifizierten Schauspielern unterstützt (Martin Held, Hanns Lothar) eine Fanfare gegen die Schwächen der üblichen Untersuchungsmethoden und die Unzulänglichkeiten moderner Gerichtsverfahren geblasen. Doch ist dieser Film weniger als aufrüttelnde Botschaft denn als besonders eindringliches Beispiel von der glücklichen Lösung eines schwierigen Falles (angeklagt ist eine Frau wegen Kindesmord) zu werten, der nicht als symptomatisch gelten darf.