Ein Amerikaner sagte kürzlich: „In Deutschland sollte weniger über das ,Dritte Reich‘ veröffentlicht werden als über das fünfte.“ Er meinte damit, wir sollten über unserer dunklen Vergangenheit unsere weitschauenden Absichten für die Zukunft nicht vergessen. Aber gerade darum ist es uns dienlich, zu erfahren – und es gibt nicht viele, die es wissen –, wie unsere damalige „Zukunft“ nach den Plänen der Nazis ausgesehen hätte.

Am 4. Mai 1943 gab Himmler bekannt, der Führer habe sich entschlossen, unmittelbar nach dem Kriege eine tiefgreifende Änderung der jetzigen Ehegesetze vorzunehmen und die Doppelehe einzuführen. Dies werde jedoch zunächst nicht in der Form geschehen, daß allgemein die Einehe aufgehoben werde, vielmehr solle als hohe Auszeichnung den Helden des Krieges, den Trägern des Deutschen Kreuzes in Gold sowie den Ritterkreuzträgern das Recht verliehen werden, eine zweite Ehe einzugehen.

Himmler wörtlich:

„Ich persönlich hin der Ansicht, daß unsere Entwicklung dazu führt, mit der Einehe zu brechen. Die heutige Form der Ehe ist ein satanisches Werk der katholischen Kirche, die Ehegesetze selbst sind unmoralisch. Da ein Mann im Normalfall unmöglich ein ganzes Leben mit einer Frau auskommen kann, zwingt man ihn zur Untreue und – um diese zu verdecken – zur Heuchelei. Die Folgen sind Zerwürfnisse in der Ehe, Abneigung der Ehegatten gegeneinander und im Endergebnis Kinderarmut. Millionen von Kindern, die der Staat dringend notwendig hätte, werden auf diese Weise nicht geboren. Man muß einfach den Mut haben, hier einen entscheidenden Schritt zu tun, auch wenn wir uns dabei noch größeren Haß der Kirche zuziehen. Auf etwas mehr oder weniger kommt es nun auch nicht mehr an.“

Der finnische Medizinalrat Felix Kersten, sein einstiger Masseur, dem gegenüber der SS-Führer diese Ausführungen machte, wagte einzuwenden:

„Sie werden sich vor allem die bitterste Feindschaft der Frauen zuziehen, und das kann Ihnen keinesfalls gleichgültig sein. Schließlich brechen Sie mit einer Institution, auf der die heutige Stellung der Frau im abendländischen Kulturkreis beruht. Glauben Sie etwa, die Frauen ließen kampflos zu, daß sie eine rechtlich anerkannte Nebenbuhlerin erhalten

Himmler antwortete darauf: „Die erste Frau erhält besondere Rechte. Sie führt die Bezeichnung ‚Domina‘, die das auch amtlich zum Ausdruck bringt. Die zweite Frau weiß das von vornherein. Im übrigen ist das eine Sache der Gewohnheit. Lassen Sie einmal ein oder zwei Generationen darüber hingegangen sein, dann wird es als selbstverständlich betrachtet, daß der Mann eben zwei Frauen hat statt einer.“