Von Fritz Ernst

Gibt es in einem modernen Weltkrieg noch Entscheidungsschlachten im eigentlichen Sinn? Der Begriff der Entscheidungsschlacht stammt aus früheren Kriegen, in denen eine Schlacht einen Feldzug und ein Feldzug einen Krieg entscheiden konnte. In diesem Sinne kann er nicht mehr gelten, das macht schon das Vorwort des hier anzuzeigenden Werkes klar –

„Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkrieges“, herausgegeben im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung von Hans-Adolf Jacobsen und Jürgen Rohwer; Verlag für Wehrwesen Bernard & Graefe, Frankfurt; 580 S., 48,– DM.

Etwa gleichzeitig ist in einem der ehrlichsten und klügsten reflektierenden Erinnerungsbücher, die deutsche Heerführer des Zweiten Weltkrieges geschrieben haben, von Frido von Senger und Etterlin („Krieg in Europa“) immer wieder auf die Relativierung der einzelnen Kampfhandlung im modernen Kriegsgeschehen hingewiesen worden. Wir können nur Schlachten meinen, die an irgendeiner der großen Fronten eine Wende herbeiführten. So handelt es sich in den Beiträgen dieses Werkes auch keineswegs bloß um einzelne Schlachten, sondern mehrmals um ganze Feldzüge. Am Ende beinahe jedes Beitrags wird danach gefragt, wie weit die behandelte Operation für die großen Wenden im Gesamtkrieg wichtig geworden ist. Das ganze Werk kann dem weiteren Leserkreis, für den es bestimmt ist, einen Eindruck vermitteln, zu welchen Leistungen heute wieder auch die deutsche kriegsgeschichtliche Wissenschaft fähig ist. Von den zwölf Autoren sind zwei Amerikaner, die anderen, darunter die beiden Herausgeber, sind Deutsche.

Wir werden durch beinahe alle wichtigen Phasen des Krieges geführt. Mit Dünkirchen setzt es ein, geht über die Luftschlacht von England und über Kreta zu der Schlacht um Moskau 1941, dann über Afrika und Stalingrad zu der U-Bootskrise von 1943; für 1944 sind die Invasion und die Ardennenschlacht behandelt. Der Stille Ozean kommt durch die Behandlung zweier Schlachten einigermaßen zu seinem Recht. Hier und in der U-Bootsschlacht kommt ja wohl das eigentlich Moderne zur Geltung, wie im Pazifik große Flotten unabhängig vom Land operierten, wie in der U-Bootsschlacht beide Seiten mit den Mitteln der Nachrichtentechnik aus großen Entfernungen U-Bootsrudel und Geleitzüge ansetzten.

Für Stalingrad haben wir das Paulus-Material, das die kommunistischen Behörden wohl freigegeben haben, um einen Zankapfel zwischen die westlichen Generale und die Historiker zu werfen. Bei der Invasion.

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