Das Jahr 1960 wird für die Banken wieder einmal als Rekordjahr angesehen. Es war so gut, daß es die Bilanztechniker redlich schwer hatten, die Gewinne so zu verstecken, daß sie nicht allzusehr in den Zahlenwerken sichtbar wurden. Die Börse sieht aber bereits weiter. Sie möchte wissen, ob die Ergebnisse des Bankenjahres 1960 tatsächlich nur „einmalig“ gewesen sind, wie es vielerorts behauptet wird. Mit großer Aufmerksamkeit hat sie deshalb die Ansicht von Generaldirektor Kurt Fengefisch der Hamburgischen Landesbank – Girozentrale – registriert, der vor der Presse zum Ausdruck brachte, daß nach seiner Meinung das Bankenjahr 1961 nicht schlechter sein wird als das abgelaufene. Natürlich wurde dies, da erst zwei Monate des neuen Jahres vergangen sind, mit aller gebotenen Zurückhaltung gesagt, und man wird auch erwähnen müssen, daß Fengefisch in erster Linie das von seinem Institut besonders gepflegte langfristige Geschäft im Auge hatte, das mit dem Wandel auf dem Rentenmarkt besonders lebhaft zu werden verspricht. Dennoch ist eine solche Äußerung eines Bankmannes, der nicht auf die Dividendenoptik Rücksicht zu nehmen braucht, von besonderen Gewicht.

Bei der Hamburgischen Landesbank – Girozentrale – liegt die satzungsmäßig zulässige Höchstdividende bei 5 vH, die auf das Stammkapital von 20 Mill. DM auch für 1960 wieder gezahlt wurde. Alleininhaber ist die Freie und Hansestadt Hamburg, die jetzt allerdings eine bessere Verzinsung wünscht. Deshalb hat die Landesbank 10 Mill. DM ihrer Rücklagen in Stammkapital umwandeln müssen, das mit Wirkung vom 1. Januar 1961 nunmehr 30 Mill. DM beträgt. Seit langem hatte sich das Institut um eine Aufstockung des Eigenkapitals bemüht, offenbar jedoch in der Hoffnung, daß der Staat neues Kapital zur Verfügung stellen würde. Dieser Wunsch ist nicht in Erfüllung gegangen. Man wird in diesem Falle den Hamburger Senat verstehen können, denn die Bilanzoptik erforderte die Neuzuführung von Eigenkapital nicht. Nach der per 31. Dezember 1960 erfolgten Neuzuführung von 5 Mill. DM an die Rücklagen stellten sich die haftenden Eigenmittel der Bank nunmehr auf 60 Mill. DM. Das sind 3,5 (3,2) vH der Bilanzsumme. Im Vergleich zu anderen Instituten nicht sonderlich viel, aber man darf nicht vergessen, daß die Landesbank hinter sich die Garantie des Hamburger Staates hat. Überdies hat die Bank in den letzten Jahren ihre stillen Reserven ständig angereichert. Auch für 1960 spricht sie von einer beachtlichen Verstärkung der stillen Reserven.

Die harte Restriktionspolitik der Bundesbank hat sich natürlich auch bei der Landesbank ausgewirkt. Die Mindestreserven mußten in 1960 um rund 16 auf über 60 Mill. DM erhöht werden. Daraus rechnet sich die Bank einen Zinsausfall von rund 1 Mill. DM aus. Tatsächlich ist natürlich kein Rückgang der Zinseinnahmen eingetreten, Ein Ausgleich konnte vielmehr durch die Ausweitung des Kreditgeschäftes erzielt werden. Hier war also der Erfolg der Bundesbankpolitik gleich Null. Anders steht es dagegen im langfristigen Geschäft, besonders im Grundkreditgeschäft. Die Unergiebigkeit des Rentenmarktes hatte eine Verschlechterung der Darlehensbedingungen zur Folge, was wiederum ein Abflauen der Nachfrage nach Wohnungsbaudarlehen nach sich zog. Wie sich jetzt allerdings herausstellt, wurde die „teure“ Hypothekenzeit, weitgehend mit Hilfe von Zwischenfinanzierungen überbrückt. Fengefisch sieht deshalb einen erheblichen Konsolidierungsbedarf auf die Bank zukommen.

In der Schiffahrt haben sich die Verhältnisse im vergangenen Jahr trotz der immer noch schlechten Frachtraten verbessert. Anders kann man doch wohl die erheblichen außerplanmäßigen Tilgungen einiger Reeder („Es sind allerdings nur erste Adressen“) auf Schiffbaudarlehen nicht deuten. Da die Hamburgische Landesbank nach dem Kriege an der Finanzierung von rund 20,4 vH der deutschen Handelsschiffstonnage mittätig war, sind ihre Zahlen kein Zufallsergebnis. Kein Wunder, wenn sich durch diese Ausführungen im Geschäftsbericht der Bank die Hoffnungen der Börse auf Dividendenzahlungen bei der Hapag und beim Nordd. Lloyd weiter verstärkt haben.

Nun noch einige Zahlen aus der Bilanz für 1960: Die Bilanzsumme hat sich leicht auf 1 707,03 (1 705,40) Mill. DM verringert. Auch per 31. 12. 59 war sie nur noch unwesentlich (+ 2 vH) gestiegen. Die Landesbank stellt dieser Stagnation das Umsatzergebnis gegenüber. Der Gesamtumsatz auf einer Seite des Hauptbuches hat sich um 11 vH auf 74,4 Mrd. DM gesteigert. Daß daran auch verdient worden ist, veranschaulicht der auf 7,9 (7 ‚4) Mill. DM gestiegene Steuerposten in der Gewinn- und Verlustrechnung.

Die Bilanzsummenentwicklung der letzten Jahre wurde durch den Abzug der Einlagen deröffent lieben Hand beeinflußt, die nach dem Notenbankgesetz nur noch zum Teil bei den Landesbanken gehalten werden dürfen; grundsätzlich müssen sie bei den Landeszentralbanken liegen. Für die Hamburgische Landesbank kommt für 1960 erschwerend hinzu, daß der Staat kurz vor Jahresschluß beträchtliche Einlagen abgezogen hat. In Hamburg ist das Etatjahr mit dem Kalenderjahr identisch. Das führt zwangsläufig zum Jahresschluß zu hohen Staatsausgaben, „damit keine Etatmittel verfallen“. Aus den eben geschilderten Gründen sind die Einlagen auf 630,06 (645,59) zurückgegangen. K. W.