H. W., Kiel

Der parlamentarische Untersuchungsausschuß, der vom Schleswig-Holsteinischen Landtag im vergangenen Jahr eingesetzt wurde, um alle Zusammenhänge des Falles Heyde/Sawade zu klären, hat – besonders in seinen letzten Sitzungen – allerlei zutage gebracht. Vor allem hat sich herausgestellt, wie groß der Kreis der Mitwisser war, jener Menschen also, die das Geheimnis des Flensburger Nervenarztes Dr. Sawade gekannt haben.

In den zahlreichen Aussagen wurde vor allem dieses deutlich: Kaum einer, der von der Identität Heyde/Sawade oder von der Tatsache, daß der Name Dr. Sawade nicht echt war, wußte oder erfuhr, fühlte sich auch nur im geringsten veranlaßt, irgend etwas zu unternehmen. Alle glaubten, die Sache sei in Ordnung, weil – und das scheint der springende Punkt in diesem ganzen Fall zu sein – Dr. Sawade ja von Gerichten als Gutachter beschäftigt wurde. Damit war er sozusagen behördlich sanktioniert. Bei einem Mann, der für eine Behörde arbeitet, muß doch einfach alles stimmen. Oder etwa nicht? Nicht selten wurde in den Ausschußsitzungen erklärt: Diese Frage habe ich nicht bis zu Ende durchdacht.

In der letzten Sitzung des Untersuchungsausschusses wurde wiederum eine Reihe von Ärzten vernommen. Einer von ihnen – der Kieler Gerichtsmediziner Professor Hallermann – hatte den Namen Heydes im Fahndungsbuch gesehen und dabei festgestellt, daß Heyde wegen Mordes gesucht wurde. Der Kriminalbeamte, der dem Arzt das Fahndungsbuch zeigte, erklärte dazu allerdings, Heyde habe einen Amerikaner erschossen. Hallermann ließ die Sache auf sich beruhen.

Dem schleswig-holsteinischen Justizminister Dr. Leverenz blieb es in eben dieser Sitzung vorbehalten, sich mit allem Nachdruck vor Dr. Voss zu stellen – vor jenen Generalstaatsanwalt, der kürzlich so überraschend eilig in den Ruhestand versetzt wurde. Freilich blieb der Justizminister mit seiner Stellungnahme nicht lange allein. Am vergangenen Sonntag äußerte sich auch der Schleswiger Bischof D. Wester zu den Vorwürfen, die in letzter Zeit gegen den ehemaligen Generalstaatsanwalt, der zugleich Präsident der Synode des Landes Schleswig-Holstein ist, erhoben worden sind. Bei der Einführung eines evangelischen Pastors in der Gemeinde Buhrkall in Nordschleswig sagte der Bischof: „Der Schatten, der über dem Namen von Dr. Voss in letzter Zeit lag, wird mehr und mehr weichen. Sein Name wird makellos sein. Wir hoffen, daß er am Herzen wieder ganz fröhlich wird, und bitten Gott, daß er vor den Augen der Welt offenbaren möge, was rechtens ist.“