Der kürzlich von der „Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik“ in Ostberlin veröffentlichte Bericht über die Entwicklung der Volkswirtschaft in der Sowjetzone im Jahre 1960 steckt voller recht nebulöser Prozentzahlen. Trotzdem kann man leicht feststellen, daß im letzten Jahr das Wachstumstempo der Produktion geringer war als 1959.

Die industrielle Bruttoproduktion – von 1956 bis 1959 langsam von 106 auf 112 vH angewachsen – ist gegenüber dem Vorjahr sogar um 3,7 vH abgesunken.

Über die Entwicklung der Bruttoproduktion in den einzelnen Industriezweigen sind in den letzten Jahren genaue Angaben veröffentlicht worden. Diesmal beschränkte man sich nur darauf, die Ergebnisse der Industriebereiche bekanntzugeben, um dadurch die nichterfüllten Pläne besser verschleiern zu können. So konnte im Bereich der Grundstoffindustrie die Erfüllung des Planes noch mit 100,5 vH angegeben werden, weil in der Energieerzeugung und der Metallurgie wesentliche Produktionssteigerungen vorlagen, während weder im Bergbau noch in der chemischen Industrie die geplanten Ziele erreicht wurden. Sehr im argen liegt vor allem der Braunkohlenbergbau, wo eine Steigerung der Briketterzeugung um zwei Millionen Tonnen lediglich durch die Inbetriebnahme der Brikettfabrik im Kombinat „Schwarze Pumpe“ möglich war. Die anderen Brikettfabriken vermochten ihre Produktion nicht zu steigern.

Im Bericht wird auch zugegeben, daß die metallverarbeitende Industrie ihre Ziele nicht erreichen konnte. Dies wirkt sich deshalb so negativ aus, weil davon die Automatisierung im Maschinenbau und das Exportgeschäft betroffen wurden. Die Exportverpflichtungen sind zwar im wesentlichen erfüllt worden, doch die eigene Industrie konnte nicht modernisiert werden. Die 1959 ausgearbeiteten Pläne zur Modernisierung des Maschinenparks mußten 1960 dreimal geändert werden.

Wie in all den vorangegangenen Jahren konnte die Bauindustrie auch 1960 ihre Pläne nicht erfüllen. Statt der etwa 100 000 Wohnungen, die im Plan vorgesehen waren, wurden bis zum Jahresende nur 80 000 Neubauwohnungen fertig. Vergleicht man die wenigen Zahlen aus dem Gesetz über den Zweiten Fünfjahrplan mit den tatsächlich erreichten Zielen, so konnten lediglich die Pläne bei der Produktion von Roheisen, Rohstahl und Ätznatron, aber nicht bei der Produktion von Elektroenergie, Braunkohle, Schwefelsäure, Phosphorsäure, Zement, Kalk, Soda usw. erfüllt werden.

Die Zahlen zur Entwicklung der Landwirtschaft sollen bei dem oberflächlichen Leser den Eindruck erwecken, daß sich die Landwirtschaft, seit der Auflösung der Einzelwirtschaften und der Einführung der Landwirtschaftlichen . Produktionsgenossenschaften aufwärts entwickelt habe. So wird eine beachtliche Steigerung des „staatlichen Aufkommens“ an Fleisch ausgewiesen. Um dies zu erreichen, mußten aber viele Genossenschaftsbauern auf Eigenschlachtungen im bisherigen Umfang verzichten. Ein großer Teil der Landbevölkerung mußte seinen Bedarf an tierischen Produkten durch Einkäufe im Handel decken. H. L.