Von Karl Vibach

Karl Vibach ist Intendant des Nordmark-Landestheaters in Schleswig. In seinen Händen lag die Vorbereitung für das New Yorker Faust-Gastspiel des Hamburger Deutschen Schauspielhauses unter der Leitung von Gustaf Gründgens. Karl Vibach hatte auch die anderen Faust-Gastspielreisen des Gründgens-Ensembles (darunter zum Beispiel die in die Sowjetunion) vorbereitet.

Wir breiten nur den Mantel aus, der soll uns durch die Lüfte tragen, sagt Mephisto-Gründgens zu Faust am Ende der Paktszene. Theaterleiter Gründgens hatte es nicht so leicht, sein Ensemble nach New York zu fliegen. Genau wie bei dem Gastspiel in Leningrad 1959 machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Damals mußte das Ensemble des Hamburger Deutschen Schauspielhauses zwei Tage auf dem Flugplatz in Helsinki warten, da die sowjetische Aeroflotte wegen des schlechten Wetters nicht starten konnte. Die Premiere in Leningrad wurde um einen Tag verschoben.

Auf der Reise in die Neue Welt begannen die Schwierigkeiten bereits in Frankfurt. Die Boeing 707 der Lufthansa startete mit Verspätung und landete in Montreal, während Gründgens, aus Lissabon kommend, auf den Azoren zwei Tage lang festsaß.

Indessen erlebt das kleine Vorkommando in New York den härtesten Winter seit achtzig Jahren. Kniehoher Schnee auf den Straßen blockierte den Verkehr, und die „Bischofstein“, die zwar planmäßig im Hafen von Brooklyn festgemacht hatte, konnte die Dekorationen nicht entladen, da die Hafenarbeiter wegen der großen Kälte streikten.

Ich hatte die Aufgabe, für die „Faust“-Aufführung die beiden Komparserie-Szenen vom „Osterspaziergang“ und der „Walpurgisnacht“ mit amerikanischen Komparsen einzustudieren. Im 5. Stockwerk des City-Center, eines Theaters, das heute der Stadt New York gehört und hauptsächlich für ausländische Gastspiele benutzt wird (nach uns gastierte dort die Comédie Française) machten wir zuerst Bekanntschaft mit dem gewerkschaftlich hochorganisierten amerikanischen Theater. „Wir haben eine sogenannte Audition angesetzt“, erklärten mir die beiden New Yorker Vertragskontrahenten Gert von Gontard und Felix G. Gerstman, „auf der sich die amerikanischen Tänzer und Komparsen vorstellen werden“.

Die Ausschreibung war aber erst zwei Tage gelaufen, und ich hatte große Sorge, ob sich genügend Leute melden würden.