Auf 9,5 vH hat sich der Anteil der Phoenix-Rheinrohr AG, Düsseldorf, an der deutschen Rohstahlerzeugung im Geschäftsjahr 1959/1960 (30. September) erhöht. Diese 9,5 vH bedeuten eine - Rohstahlerzeugung von 3,19 Mill. t – mehr als jedes andere deutsche Stahlunternehmen im vergangenen Jahr produziert hat. Es bedurfte allerdings eines Sprunges um 33 vH, um diese Spitzenposition zu erreichen. 1958/1959 hat die Gesellschaft nur 2,39 Mill. t Rohstahl hergestellt.

Nicht ganz so stark ist der Umsatz gestiegen, er nahm um 28,2 vH von 1391 auf 1783 Mill. DM zu. Diese geringere Zuwachsrate ist neben der starken absoluten Ausweitung das bedeutsamste Charakteristikum des Geschäftsjahres. Sie deutet nämlich an, daß die Erlöse weniger gut gewesen sind als im Vorjahr – eine etwas genauere Betrachtung bestätigt diese Auffassung. Es ist zwar ein wenig über den Daumen gepeilt, wenn man den Umsatz und einige Aufwandzahlen einfach durch die Rohstahlerzeugung dividiert, es ergeben sich gegenüber dem Vorjahr jedoch so beträchtliche Unterschiede, daß zumindest die Tendenz richtig beurteilt werden kann.

So ist der Erlös je Tonne Rohstahl auf 559 (582) DM gesunken. Ein Teil dieser Mindererlöse ist allerdings durch sinkende Kosten aufgefangen worden. Zwar sind die Aufwendungen für Fertigungsmaterial auf 171 (169) DM gestiegen, dafür verminderte sich aber der Aufwand für Koks und sonstige Brennstoffe auf 78 (87) DM, und die Personalkosten gingen auf 100 (108) DM zurück. Die Summe dieser wichtigsten Aufwandpositionen macht diesmal nur 349 (364) DM aus, die Differenz zum Erlös ist jedoch auf 210 (218) DM geschrumpft.

Mag diese Rechnung beim Rohstahl noch etwas grob sein – wenn man den Erlös für die einzelnen Erzeugnisse vergleicht, wird sie vollauf bestätigt. So wurden für Rohre 960 (990) DM je Tonne erzielt, für Walzstahl 568 (575) DM, für Roheisen 358 (395) DM und nur das Halbzeug brachte mit 415 (359)) DM mehr als im vorhergehenden Jahr. Vor der Presse erläuterte Vorstandsmitglied Ernst Wolf Mommsen dazu, daß vor allem die schlechten Exportpreise zu dieser Entwicklung geführt haben. Das gilt wohl in erster Linie für das Rohrgeschäft, aber auch für Grobbleche, auf die ein Großteil des Walzstahlumsatzes entfällt. Halbzeug dagegen war auch im Export gut gefragt, es hat aber mit einem Umsatzanteil von 22,5 (19,5) vH nicht die Bedeutung wie Rohre und Rohrerzeugnisse, die 40 (41,5 vH des Umsatzes auf sich vereinigten und am Gesamtexport von 616 000 t mit 350 000 beteiligt waren.

Diese Erlöseinbußen sind jedoch durch die ungewöhnlich starke Umsatzausweitung mehr als ausgeglichen worden, und es fällt der Gesellschaft wahrlich nicht schwer, der HV am 16. März eine Dividendenerhöhung auf 12 (10) vH vorzuschlagen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß wegen der Kapitalerhöhung auf 276 (207) Millionen DM – die 69 Mill. DM jungen Aktien sind für ein halbes Jahr dividendenberechtigt – ein höheres Kapital bedient werden muß. Die zusätzliche Belastung von rund 8 Mill. DM ist nach diesem glänzenden Jahr nur noch eine Restgröße.

Es überrascht allerdings, daß der Steueraufwand bei weitem nicht so stark zugenommen hat, wie man auf Grund der vorgelegten Zahlen annehmen möchte. Für ertragsabhängige Steuern wurden 42,5 (31,0) Mill. DM aufgewendet. Bereitwillig gliederte Vorstandsmitglied Dr. Hans Karl Vellguth diese Position auf, wie das Unternehmen überhaupt um eine vorbildliche Publizität bemüht ist. Der interessanteste Posten ist die Körperschaftsteuer mit 15,3 (7,95) Mill. DM. Schon im Vorjahr hatte dieser im Vergleich zu anderen Gesellschaften niedrige Steueraufvand Überraschung ausgelöst, diesmal gilt das erst recht. Es bleibt nur der Schluß, daß in erheblichem Umfang unversteuerte stille Reserven gebildet worden sind, Worauf u. a. die nicht unbeträchtliche Zunahme der Rückstellungen auf 269,4 (239,2) Mill. DM hindeutet. In diesem Punkt jedenfalls sind der Phantasie des Chronisten keine Grenzen gezogen – die Verwaltung verweigerte auf die Frage nach dem wirklichen Gewinn die Auskunft. Eine andere Frage ist, ob diese vorerst unversteuert gebildeten Reserven vom Fiskus wirklich als notwendig anerkannt werden, oder ob sie eines Tages zu erheblichen Steuernachzahlungen führen.

Die Verwaltung glaubt jedenfalls, mit ihrem Dividendenvorschlag sowohl die Interessen der Aktionäre als auch die des Unternehmens berücksichtigt zu haben. Zu einer Reservenbildung hat Phoenix-Rheinrohr allerdings weniger Anlaß als andere Unternehmen. Mit ihrem Produktionsprogramm nimmt die Gesellschaft nämlich an keiner Sonderkonjunktur teil, wie sie für einige Walzstahlprodukte besteht. Sie darf also damit rechnen, daß ihre Erlöse im Zuge eines steigenden Angebotes und einer verschärften Konkurrenz weniger stark zurückgehen können als bei anderen Unternehmen.