Es geht um Flucht, falschen Verdacht und Feme. (Das muß wohl das Klischee aller Gefangenenfilme sein, gleich, ob sie in Hollywood oder Geiselgasteig gedreht werden?) Dieses Handlungsklischee tritt hier jedoch zurück hinter den Anspruch, den bloßen Menschen glaubhaft zu machen. Die Sieger werden ihrer Uniformen beraubt, die Besiegten steigen aus ihren Lumpen. Zurück bleiben Kreaturen, deren Handeln nicht mehr von ihrer Funktion bestimmt wird, sondern unter eine große göttliche Ordnung gestellt ist.

Man sollte diesen Film nicht auf formale Bruchstellen hin abklopfen, man sollte nicht die – unvermeidlichen? – Konzessionen an den Landserjargon und an Gußeiserne-Bettstellen-Erotik zum Gegenstand der Untersuchung machen. Die Leute, die diesen Film zustande gebracht haben, gingen auf einen weiten Weg. Anständigkeit, Menschlichkeit, Versöhnung sind heute schwer verkäuflich, wenn man sie ohne Zugabe bloß so hinhält. Dieser Film unternimmt es.

Fairerweise müßte man die Namen aller Darsteller nennen, Namen ohne die Faszination des Startums übrigens, Deutsche und Franzosen. Beschränken wir uns trotzdem auf einen: Götz George. Er ist auch hier wieder eine Offenbarung. Und ein zweiter Name: Peter Bamberger. Er ist kein Schauspieler, kein Regisseur, sondern der Produzent, der Mann, den gemeinhin die Kasse interessiert und sonst nichts. Man kommt zu dem Schluß, daß ihn diesmal mehr interessiert haben muß. Es scheint einer jener Stoffe gewesen zu sein, die ein der Filmkonfektion verhafteter Mann sich irgendwann in seinem Leben von der Seele drehen muß. Bamberger war selbst ein Plenni, ein Kriegsgefangener. Er weiß, wie es jenseits des Urals aussieht. Wer mag ihm nur diesen klangvollen, aber dämlichen Filmtitel eingeredet haben...