Skilauf im Frühjahr und Frühsommer – Spezialität für Ski-Enthusiasten – Akrobatik wird nicht verlangt – Auf den Gletschern des Wallis

Von Peter Mörser

Im Frühling hat der Skiläufer nur noch in den höheren Gebirgsregionen eine Chance. Keine Angst. Es geht, auch ohne daß man im Übermaß der Zünftelei auf jede von der Fremdenindustrie gebotene Annehmlichkeit verzichtet, auch ohne daß besondere Ansprüche an Könnerschaft und Akrobatik gestellt werden. Verlangt wird nur ein bißchen von jenem uralten Trieb des Menschen, sich mit den Kräften der Natur zu messen, wozu es gar nicht so vieler gelernter Handgriffe bedarf. Jedenfalls ist dies nicht entfernt so schwierig wie das Abwedeln eines „Idiotenhügels“, worum sich Tausende von Urlaubern unermüdlich und unter sonderbarsten Verrenkungen, aber immer vergebens, bemühen.

Zum hochalpinen Skitourismus ist jedermann zugelassen, der bei einem Mindestmaß an körperlicher Verfassung die drei Grundtugenden des Skilaufs beherrscht: Stemmbogen, Spitzkehre und Abrutschen am Steilhang. Zur Ausrüstung gehören: Erstens ein Rucksack mit den Siebensachen, die zur unentbehrlichen Notdurft gehören; zweitens elastische Skier – wer die heute meist üblichen, steinharten Pistenhölzer benutzt, wird keine Freude haben; drittens möglichst keine Keilhosen und schon gar keine straffen, sondern Bundhos.en, vorzugsweise mit Gamaschen; viertens eine strapazierfähige Sonnenbrille, die tatsächlich auch Ultraviolettstrahlen absorbiert; fünftens keine Eskimo-Maskeraden. Denn Schutz gegen Schnee und Wind und Schutz gegen Kälte sind zweierlei. Beim Frühlings-Skilauf wird einem meistens von innen her schon warm genug.

Schließlich und nicht zuletzt braucht man einen Führer. Es muß nicht unbedingt ein professioneller sein, und er braucht sich auch von den andern durch nichts auszuzeichnen als dadurch, daß er die Verantwortung trägt. Verantwortung tragen, will natürlich auch gelernt sein, und jedermann drückt sich gern davor – ein entscheidendes Handicap des Skitourismus.

Die Saison beginnt im März

Gehen wir zu den höchstalpinen Touren über, so kommen zur Ausrüstung Seil, Eispickel, eventuell Steigeisen, dazu Karte, Höhenmesser, Kompaß und die Fähigkeit, damit umzugehen. All dies kann man natürlich auch einem professionellen Führer überlassen, der diese Dinge laut Vertrag in seinem Rucksack mit sich zu führen hat. Man bezahlt ihm dafür Kost und Logis sowie eine Pauschale von 50 bis 70 Mark am Tag. Allerdings sind in manchen Gegenden der Schweizer und französischen Alpen Bergführer für Geld kaum noch zu haben. Manchmal hilft freilich der Gang zum Pfarrer eines der kleinen Bergdörfer: Diese unumschränkten Souveräne ihrer Gemeinden, unter deren Soutane die Skistiefel hervorschauen, wissen Rat, auf den man Häuser bauen kann.