Seit gut anderthalb Jahren pflegen auch die Großbanken eine Geschäftssparte, die bis dahin die Domäne der Sparkassen und Volksbanken war: den sogenannten Kleinkredit. Der „kleine Mann“, der sich zum Ärgernis der Banken nur selten bis in die Schalterhallen vorwagte, wurde mit einer groß angelegten Werbekampagne angesprochen. Und er kam – zum Teil sogar in Scharen. Einzelne Banken meldeten bereits vor Jahresfrist mit Stolz den Zulauf vieler neuer Kunden. Kunden, so ist hinzuzufügen, die bei einem allenfalls vierstelligen Kreditbetrag – die Höchstgrenze für Kleinkredite liegt im Einzelfall bei 2000 DM – für die Ertragslage zwar ohne Belang sind, die aber eines Tages zu willkommenen Dauerkunden werden können.

Die Voraussetzungen dazu sind durchaus gegeben. Im November 1960 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – waren insgesamt 1,15 Mrd. DM an Kleinkrediten ausgeliehen. Da sich das durchschnittliche Darlehen auf etwa 1200 DM stellt, bedeutet dies, daß zum gleichen Zeitpunkt etwa eine Million Bundesbürger einen Kleinkredit in Anspruch genommen haben. Fast die Hälfte der 1,15 Mrd. DM – 500 Mill. DM – entfallen auf die Sparkassen, die damit nach wie vor mit gutem Recht behaupten können, die „Bank des kleinen Mannes“ zu sein. Den zweiten Platz belegen in der Bundesbankstatistik aber schon die Großbanken, die für 354 Millionen DM Kleinkredite gewährt haben. Ein bemerkenswerter Erfolg, wenn man bedenkt, daß es für die Großbanken vor zwei Jahren den Kleinkredit praktisch noch nicht gab.

Daß man in dieser Hinsicht nichts unversucht läßt, zeigt das Beispiel der Bank für Gemeinwirtschaft AG. Diese den Gewerkschaften nahestehende Bank hat dieser Tage den Zinssatz für Kleinkredite mit Wirkung vom ersten März von bisher 8 auf 7,5 vH ermäßigt. Das Institut, das in letzter Zeit eine auffallende, wenn auch nicht immer glückliche Aktivität (Kaufscheck) entfaltete, gibt damit die sich allgemein abzeichnende Zinssenkung auch an die Kleinkreditnehmer weiter. Ein geschickter Schachzug, der ein Schlaglicht auf den Wettbewerb im Kreditgeschäft wirft.

Bei der Gewährung von Kleinkrediten geht die Bank für Gemeinwirtchsaft zudem ihre eigenen Wege. Während andere Kreditinstitute im allgemeinen einen monatlichen Zinssatz erheben, der für die gesamte Laufzeit des Darlehens auf den anfänglichen Kreditbetrag berechnet wird, bezieht sich der Jahreszins der Gemeinwirtschaftsbank auf den jeweils verbleibenden Schuldsaldo. Die Bank ist der Auffassung, daß ein Jahreszins dem Kleinkreditkunden einen besseren Überblick über die tatsächlichen Zinskosten bietet. Nach der üblichen Berechnungsweise entspricht der von der Gemeinwirtschaftsbank erhobene Zins von 7,5 vH bei einer Laufzeit des Kredits von 12 oder 24 Monaten einem monatlichen Satz von C,34 oder 0,33 vH des ursprünglichen Kreditbetrages. Das ist rund 1/8 vH weniger als der von der Bankenaufsichtsbehörde festgesetzte Höchstsatz von monatlich 0,4 vH. Man darf gespannt sein, inwieweit das Beispiel der Gemeinwirtschaftsbank Schule machen wird. lz