Zum Eichmann-Prozeß, dessen Beginn jetzt endgültig auf den 11. April festgelegt wurde, ist der erste Nebenkläger zugelassen worden: der in der Schweiz lebende Kaufmann Joseph Mandl. Mandl klagt dabei auf Schadenersatz und Feststellung. Es geht ihm dabei allerdings nicht darum, von Eichmann selber Schadenersatz zu erlangen, sondern es kommt ihm darauf an, Beweise für einen Prozeß zu beschaffen, den er beim Wiedergutmachungsamt der Stadt Köln gegen die Bundesrepublik Deutschland angestrengt hat. Die Aussagen Eichmanns können für dieses Verfahren ausschlaggebend sein.

Die beim Kreisgerichtshof Haifa eingereichte Klageschrift führt aus, daß Adolf Eichmann zusammen mit dem SS-Standartenführer Kurt Becher in Ungarn auch die Familie Mandl ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und sie dabei ihres ganzen Vermögens beraubt habe. Der Kläger lebte damals bereits in der Schweiz und organisierte von dort aus ein Komitee zur Rettung der ungarischen Juden. Dieses Komitee entsandte im Juli 1944 zwei Schweizer – Kurt Trümpy und Max O. Boden – nach Deutschland, um mit den Nazis zu verhandeln. In der Folge wurden etwa 1700 Juden – der „Zug Bergen-Belsen“ – über die schweizerische Grenze in die Freiheit entlassen, als Gegenleistung wurden 750 000 Schweizer Franken bezahlt. An dieser Summe beteiligte sich Joseph Mandl mit 300 000 Franken. Wie sich hernach herausstellte, war jedoch bereits früher für diesen Zug vom Budapester Komitee Rudolf Kastner das Lösegeld erlegt worden, so daß der Transport also zweimal bezahlt worden ist. Adolf Eichmann habe diese Tatsache verschwiegen und sich deshalb des Betruges schuldig gemacht.

Im Anschluß an diese Verhandlungen habe Hauptsturmführer Gottlob Wendel beim Stab Eichmanns die Befreiung der Familie des Klägers zu erreichen versucht; Eichmann habe diesen Versuch zum Scheitern gebracht. Schließlich habe Eichmann dem Kläger gefälschte Nachrichten über den angeblichen Aufenthalt seiner Verwandten zukommen lassen und damit die Überweisung von Paketen und Medikamenten im Wert von 3000 Schweizer Franken betrügerisch erreicht. Eichmann könne darüber aussagen, daß alle Vermögenswerte der Familie Mandl in das Gebiet der Bundesrepublik transportiert worden seien, wobei sich die SS-Mitglieder persönlich bereichert haben sollen. Für diese etzteren Behauptungen fordert der Kläger ein Feststellungsurteil. Den Streitwert bei dem Verfahren hat Mandl auf 3000 Franken beschränkt, obwohl sich seine Schadensersatzansprüche auf insgesamt 303 000 Franken belaufen. Der Kläger will sein Geld nicht von Eichmann, sondern von der Bundesrepublik.

Seitdem die Klage Mandls von den zuständigen Justizbehörden zugelassen worden ist, wurden viele weitere Zivilforderungen angemeldet, so daß der Fall Mandl bereits als Präzedenzfall angesehen werden kann. Das Verfahren gegen Eichmann wird sich also neben den strafrechtlichen Anklagepunkten auch mit Zivilforderungen zu befassen haben, die möglicherweise – wenn Eichmann verurteilt wird, aber nicht zahlen kann – von der Bundesrepublik zu übernehmen sein werden. M. K.