G. Z., Frankfurt

Zwei Mitglieder des hessischen Kabinetts sind sich in die Haare geraten. Um die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Mannheim ist erneut der Streit zwischen dem Verkehrsminister und dem Innenminister ausgebrochen. Tempo 100 ist auf der „Todesstrecke“ vorgeschrieben, jedoch Verkehrsminister Gotthard Franke hält diese Begrenzung für falsch. Aber bisher sind alle seine Bemühungen, das Tempo wieder „freizugeben“, am hartnäckigen Widerstand des Innenministers gescheitert. Und wenn Innenminister Heinrich Schneider nicht will, kann der Ressortminister für Verkehr gar nichts erreichen: dann bleibt es beim Tempo 100.

Schon lange ist dem Verkehrsminister die Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen Frankfurt und Mannheim ein Dorn im Auge. Genaugenommen geht ihn ja nur das etwa 60 km lange Stück zwischen Frankfurt und Lorch etwas an, denn an der baden-württembergischen Landesgrenze endet seine „Straßen-Hoheit“. Dieser Abschnitt ist in vieler Hinsicht ein Sorgenkind der Verkehrsfachleute, denn er hält zwei „Rekorde“, die gar nicht zusammenpassen: es ist die älteste und dabei am stärksten befahrene Autobahn-Teilstrecke in Deutschland. Täglich werden hier über 300 000 Fahrzeuge gezählt, und in der Hochsaison sind es beinahe das Doppelte. „Aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 Stundenkilometer ist nicht das geeignete Mittel, mit diesen Sorgen fertigzuwerden“, meint Franke.

Mit dem Gutachten eines Münchener Verkehrsexperten bewaffnet, nahm Minister Franke den Kampf gegen seinen Kabinettskollegen Schneider auf. Drei Thesen sind es vor allem, die er gegen die Begrenzung der Geschwindigkeit ins Feld führt:

1. Der Rückgang der Unfallzahlen ist nicht das Ergebnis der Geschwindigkeitsbegrenzung – bereits vor der Einführung von „Tempo 100“ zeigte die Unfallkurve eine – wenn auch geringfügig – fallende Tendenz,

2. Nicht „Tempo 100“, sondern die bauliche Verbesserung der Strecke ist die eigentliche Ursache für die erhöhte Sicherheit des Verkehrs zwischen Frankfurt und Mannheim.

3. Die Zahl der „Schnellen“, die über 100 Stundenkilometer auf den Autobahnen fahren, ist so gering, daß man sie nicht zur Begründung für eine Geschwindigkeitsbegrenzung heranziehen kann.