Der unfruchtbare Dialog seit 1945 – Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Rüstungsbeschränkung (II)

Von Theo Sommer

In den anderthalb Jahrzehnten, die seit Kriegsende vergangen sind, hat es nur einen ernsthaften Ansatz zur Abrüstung gegeben: den Baruch-Plan der USA. Moskau antwortet darauf mit dem Kalten Krieg, der den Verhandlungswillen der Amerikaner untergrub – auch dann, als die Sowjets wieder mit sich reden lassen wollten. Der folgende Artikel schildert den "parallelen Abrüstungsmonolog" seit 1945 in der Sicht von Kennedys neuen Abrüstungsberatern.

Bis zu dem Tage, an dem die Bombe von Hiroshima der Welt die Zerstörungsgewalt der entfesselten und in den Dienst des Krieges gestellten Atomkraft demonstrierte, hatten sich die Großmächte den Luxus gescheiterter Abrüstungsgespräche und gelegentlicher Kriege leisten können. Diese Kriege, mochten sie auch noch so viele Opfer fordern, konnten das Überleben der Nationen selbst dann nicht gefährden, wenn sie auf weltweitem Schauplatz und mit den fortgeschrittensten Waffen der vor-atomaren Epoche ausgefochten wurden. Für den Sieger lohnte sich der Konflikt in den meisten Fällen; für den Verlierer aber war die Niederlage weder unerträglich noch irreparabel.

Seit dem Tage von Hiroshima ist das anders. Die Wissenschaft hat die Welt an einen Punkt gebracht, wo nach den Worten Präsident Eisenhowers "der Krieg nicht mehr die Möglichkeit von Sieg oder Niederlage bietet, sondern nur noch verschiedene Grade der Zerstörung". Ein andermal drückte Eisenhower denselben Gedanken noch simpler aus: "Es gibt keine Alternative zum Frieden mehr". Und in den letzten Jahren hat sich diese Einsicht auch im Kreml durchgesetzt. Chruschtschow verteidigte sie jedenfalls beim letzten Moskauer Treffen der kommunistischen Parteiführer mit beschwörender Eindringlichkeit gegen die Abgesandten Mao Tse-tungs, der sich ihr bis heute trotzig verschließt.

Der Atomkrieg kann kein Mittel einer rationalen Politik sein – dieses Axiom ist den beiden Protagonisten auf der Weltbühne heute, fünfzehn Jahre nach Hiroshima, immerhin geläufig. Sie wissen: ein solcher Krieg würde am Ende keinen Unterschied zwischen Siegern und Besiegten kennen. Er würde die Menschheit, falls er sie nicht überhaupt auf das Steinzeit-Niveau zurückwürfe, schwer dezimieren. Er würde den Überlebenden eine Wüstenei hinterlassen und ihre Nachkommen auf Generationen hinaus mit genetischer Verseuchung plagen. Kurzum: er wäre in seinen Konsequenzen unausdenkbar. Und dennoch ist er nicht unmöglich.

Der Wettlauf der Waffen