Deutsche Flughafenplanung nur Stück- und Flickwerk

„Der beste Luftverkehr ist schlecht, wenn die Bodenorganisation nichts taugt!“

Freiherr von Gablenz

Jener Schuß Frühling in der Luft über Paris allein konnte es nicht zuwege gebracht haben, daß sich Tausende – Staatspräsident Charles de Gaulle an der Spitze – bei den Einweihungsfeierlichkeiten des ohne Zweifel grandiosen neuen Verwaltungsgebäudes auf dem Flughafen Paris-Orly ein Stelldichein gaben. Dieses Wunderwerk aus Stahl, Glas und Beton selbst dokumentierte einmal mehr, wie stark der französische Luftverkehr mit Frankreich verwachsen ist, das nun für sich in Anspruch nehmen kann, in Paris-Orly über die modernsten Bodenorganisationsanlagen Europas zu verfügen.

Für den Bundesrepublikaner bleibt angesichts des Flughafens Orly, so wie er sich bereits heute – im Startbahnsystem noch nicht vollendet – darbietet, nur die Resignation: die Abfertigung jener 10 Millionen Fluggäste, mit denen Paris in nicht allzu ferner Zukunft rechnet (1960: 3,6 Mill.), ließ man sich Investitionen in Höhe von 570 Mill. Neuer Franken kosten. Und der nun beginnende vierte Vierjahresplan für den weiteren Flughafenausbau wird weitere 300 Mill. NF verschlingen. Drei neue Startbahnen werden die bereits existierenden drei Bahnen als Parallelen ergänzen und so die Möglichkeit bieten, auch bei schlechtem Wetter Starts und Landungen gleichzeitig abzuwickeln. Wer die langen Bodenwartezeiten in Frankfurt am Main zu Stunden des Stoßverkehrs kennt, kann ermessen, was diese Rationalisierung des Flugbetriebes bedeutet.

Eine Binsenwahrheit

Neben Orly aber verliert der Flughafen Le Bourget in Paris keineswegs sein Gewicht. Hier werden sich die innerfranzösischen Kurzstreckendienste und ein Teil der Europa-Strecken konzentrieren. Denn mit zunehmender Luftverkehrsdichte wird auf die Dauer gesehen auch in Europa keine Millionenstadt von Format darum herumkommen, mindestens zwei Flughäfen zu betreiben – eine Binsenwahrheit, die außerhalb der Bundesrepublik kaum mehr diskutiert wird. Allerdings werden in den meisten Ländern Europas der Ausbau des Flughafennetzes, die Koordinierung der Planung und der Finanzierung auch nicht nach dem Beispiel des bundesrepublikanischen Föderalismus gelöst, sondern als nationale Aufgabe betrachtet.