Soll der Staat oder der Patient die ungedeckten Kosten tragen?

Von Hanns Meenzen

Von den gesetzlichen Krankenversicherun gen ist die Forderung erhoben worden, daß die Gemeinden und Landkreise die Krankenhäuser unterhalten sollen. Von den Patienten bzw. den Versicherungen sollten dann nur die reinen Pflegekosten gezahlt werden. Diese Forderung entspricht der Ansicht vieler Kommunalpolitiker, daß die Bereitstellung von Krankenhäusern ebenso eine kommunale Aufgabe sei, wie der Schul- oder Straßenbau. Das ist eine grundsätzliche Einstellung. Den Krankenkassen geht es jedoch um die Finanzen. Unser Beitrag untersucht die Hintergründe dieser Erwägungen.

Mit einer akuten Blinddarmentzündung wurden am gleichen Tage Klaus Meyer und Fritz Müller in das St. Barbara-Krankenhaus in B. eingeliefert. Als Privatpatient zahlte Klaus Meyer in der zweiten Klasse täglich 24 DM für Unterbringung und Verpflegung, täglich 15 DM für Nebenkosten sowie für die Operation und ärztliche Visiten insgesamt weitere 400 DM. Als er nach zehn Tagen entlassen wurde, hat ihn sein Blinddarm rund 800 DM gekostet. Für Fritz Müller dagegen erstattete die Ortskrankenkasse für zehn Tage den täglichen Pflegesatz von 17 DM, also nicht einmal ein Viertel von dem, was Klaus Meyer hatte zahlen müssen.

Im Gegensatz zu Müller hatte Meyer aber nicht nur die den Krankenhäusern tatsächlich entstehenden Kosten einschließlich Kapitalverzinsung und Abschreibung erstattet, er hatte gleichzeitig auch seinen Teil dazu beigetragen, daß sich das Einkommen des Chefarztes auf einem Niveau hält, das diesen vor jeder Versuchung bewahrt, in die freie Praxis abzuwandern. Auch Chefärzte nämlich sind mit 1200 bis 1400 DM Gehalt keinesfalls gut gestellt. Wenn sie trotzdem im Gegensatz zu Assistenzärzten in genügender Zahl den Krankenhäusern und ihren zu 90 vH von Sozialversicherungen betreuten Patienten zur Verfügung stehen, so deswegen, weil sie für die erste und zweite Klasse das Liquidationsrecht haben. Ihr Gesamteinkommen von 5000 oder auch wesentlich mehr Mark im Monat erzielen sie also durch jene 10 vH der Betten, die von Privatpatienten belegt werden. Auch dies ist eine Form der Einkommensumverteilung, wenn auch auf dem Umweg über die Honorierung des Arztes.

Sie leben von der Substanz

Die Krankenhäuser klagen darüber, daß die über die Pflegesätze vorgenommenen Erstattungen der Krankenkassen nicht ausreichen, um ihre Kosten zu decken. Sie wollen nicht länger angesehen werden als etwas, was man in Anspruch nehmen kann, ohne auch voll dafür zu zahlen. Das gilt ganz besonders für die freien, also von Kirchengemeinden oder anderen caritativen Verbänden getragenen Krankenhäuser. Diese weisen zudem noch darauf hin, daß ihre Kosten wesentlich höher wären, wäre nicht eine gewisse Reserve von Caritas vorhanden, die die Kosten senkt.