„Dem Bayerland starbst da zu früh...“ – Wenn Demokraten dem König die Treue wahren

Immer noch aktuelle Frage in München: Soll Ludwig II. wieder ein Denkmal bekommen?

München

Am Nachmittag des 13. Juni 1886 stürzte er sich, vierzigjährig, nachdem er drei Tage zuvor seines Thrones entsetzt worden war, unterhalb von Schloß Berg in den Starnberger See – ein hochgewachsener, durch unmäßige Völlereien aufgedunsener Mann, dessen anomal kleiner Schädel ein krankes Gehirn barg: König Ludwig II. Ob er Selbstmord verüben oder dem Irrenarzt Dr. Gudden entfliehen wollte, der ihn zu betreuen hatte und ihn auf diesem Spaziergang begleitete (und mit ihm den Tod in dem kaum brusttiefen Wasser fand), bleibt eine nie zu klärende Streitfrage.

Die „einsame Majestät“

Seither geht der Vers um: „Dem Bayerland starbst du zu früh, dein treues Volk vergißt dich nie.“ Rank und schlank, zwischen Fackelträgern im üppig geschmückten Schlitten einherjagend, als ein bildschöner, majestätischer Einsamer, der, umzingelt von seinen Hofschranzen, romantische Schlösser errichtete und dorthin entwich, wenn er die Kamarilla nicht mehr zu ertragen vermochte, so ist der „Märchenkönig“ Ludwig II. in die Erinnerung seines treuen Volkes eingegangen – des Volkes, das er als „Phäaken“ tief verachtete und von dem er sich nach Möglichkeit isolierte.

Seine Vor- und Nachfahren auf dem bayerischen Königsthron waren fast durchweg quasi bürgerliche Gestalten gewesen, wohlgelitten in den Straßen Münchens, in denen sie sich ebenso selbstverständlich wie unauffällig bewegten; persönlich sparsam, aber splendid, wenn es galt, etwas zum Wohle der Untertanen zu unternehmen; vielseitig interessiert und immer in fruchtbarem Kontakt mit Künstlern, Gelehrten, Kaufleuten, Handwerken.