An dieser Stelle stand in der Vorwoche zu lesen: „Man spricht wieder von der DM-Aufwertung. Aufgebracht wurden die Aufwertungsversionen durch jene Bonner Kreise, du mit Hilfe der Aufwertung das deutsche Preisklima wieder beruhigen möchten. Ihr politischer Einfluß, auch wenn es sich um Minister handelt, ist jedoch nach Meinung der Börse umstritten.“ Nun, inzwischen sind die Würfel gefallen; die Minister haben sich überraschenderweise gegen Industrie und Bundesbank durchgesetzt. Damit hat auch die Börse nicht gerechnet.

Ihre Reaktion wir, was den Aktienmarkt angeht, durchaus vernünftig. Die Kurse wurden am Wochenbeginn im Durchschnitt um 5 vH reduziert, ohne Rücksicht darauf, ob dies im Einzelfall gerechtfertigt war oder nicht. Damit war eine erfolgreiche kurzfristige

Währungsspekulation ausgeschaltet. Ausländer, die in den letzten Wochen nur in der Hoffnung deutsche Aktien erworben hatten, mit ihnen einen Währungsgewinn zu erzielen, kamen mit ihren Wünschen nicht zum Zuge. Festzuhalten bleibt, daß die Ermäßigung des Kursniveaus am Wochenbeginn nicht eine Folge umfangreicher Abgaben gewesen ist. Die Käufe hörten nach der Aufwertung verständlicherweise zunächst einmal auf. Der Berufshandel nahm erst wieder Material auf, als die Kurse um die erwähnten 5 vH zurückgegangen waren. Dieser Abstieg ging so schnell, daß auch das deutsche Bankenpublikum keine Gelegenheit hatte, etwaige Kursgewinne sicherzustellen.

In den Börsentagen nach der Aufwertung war das Bestreben verantwortlicher Kreise unverkennbar, ein neues Kursniveau zu finden, das sich als aufbaufähig erweisen kann. Für das Börsenklima hat es sich als allemal günstiger erwiesen, wenn innerhalb weniger Tage ein drastischer Schnitt erfolgt, als wenn die Kurse wochenlang „nicht leben und nicht sterben können“. Aufmerksame Börsenbeobachter konnten feststellen, daß einzelne Kapitalsammelstellen schon am Montag damit begannen, ihre Aktienportefeuilles zu ergänzen. Auch Investmentfonds waren als Käufer im Markt. Sie haben den inzwischen erfolgten Wiederanstieg der Kurse eingeleitet.

Zur allgemeinen Überraschung lagen aber auch schon wieder Kaufaufträge aus dem Ausland vor. Teilweise spekulativer Art. Es gibt Finanzkreise in der westlichen Welt, die die Abwertung von 5, vH nur als „ersten Schritt“ ansehen. Die Währungsspekulation geht also weiter. Ob sie für die Aktienkurse eine große Bedeutung erlangen wird, ist schwer zu erkennen. Wahrscheinlich aber nicht. Ernsthafter wird man sich aber mit den echten Anlegern von internationalem Kapital auseinanderzusetzen haben, die nach wie vor deutsche Aktien – auf lange Sicht – als chancenreich ansehen. Ein Land, das seine Währung aufwertet, übt auf Kapitalanleger nun einmal einen Anreiz aus. Hier lockt die „Sicherheit“.

Zur Zeit gibt es auf den Aktien- und Rentenmärkten viele Strömungen und Gegenströmungen. Die Meinungen und Zukunftsprognosen prallen hart aufeinander. Und das ist gut so, denn auf diese Weise werden extreme Kursveränderungen vermieden. Schon heute läßt sich sagen, daß bei vielen Papieren die Abschläge ungerechtfertigt hoch waren. Das wird sich mit der Zeit ausgleichen. Wir müssen damit rechnen, daß wir in den nächsten Wochen aus Kreisen der Aufwertungsgegner noch mit zahlreichen Hiobsbotschaffen versorgt werden. Sie sollen demonstrieren, wie falsch der Schritt der Bundesregierung war. Aber niemand darf sich in seinen Anlagedispositionen dadurch beeindrucken lassen. Entscheidend bleibt die Gesamtkonjunktur. Sie wird durch eine DM-Aufwertung von 5 vH schwerlich aus den Fugen geraten. Kurt Wendt

Bei der Dortmunder Actien-Brauerei (DAB), Dortmund, war auch in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres die Ausstoßzunahme überdurchschnittlich. Bereits 1959/60 (30. September) war die DAB am gesamten Mehrausstoß der Dortmunder Brauereien mit mehr als 50 vH beteiligt. Hinsichtlich der weiteren Absatzentwicklung äußerte sich Vorstandsvorsitzender Friedrich Mauritz in der Hauptversammlung am 1. März zuversichtlich. Der Vertreter der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Assessor Koppenberg, schätzte die Ausschüttung an die Aktionäre auf etwa ein Drittel des Gewinnes. Das ist nach seiner Meinung weniger als allgemein üblich. Koppenberg gab der Erwartung Ausdruck, daß für das laufende Geschäftsjahr dem angemessenen Verhältnis zwischen einbehaltenem und verteiltem Gewinn von 50 : 50 stärker Rechnung getragen wird. Außerdem regte er an, die DAB-Aktie auch in den variablen Börsenverkehr einzuführen. Die Hauptversammlung faßte alle Beschlüsse einstimmig. Es werden also für 1959/60 auf das berichtigte Kapital 12 vH Dividende gezahlt..