Im Grunde sieht man das auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung ein, ebenso wie man dort lange gezögert hat, so unumwunden nach der Einschaltung des Staates zu rufen. Was die gesetzlichen Krankenkassen verärgert hat, ist der Anspruch der Krankenhäuser auf vollen Kostenersatz ohne Bereitschaft, den Kassen Einblick in die Ermittlung dieser Kosten zu geben und ohne daß die Kassen die Möglichkeit hätten, die Entstehung dieser Kosten kontrollieren zu können. Man ist bei den Kassen der Meinung, daß eine ganze Reihe von Krankenhäusern nicht wirtschaftlich geführt wird, und man verweist auf die Tatsache, daß die deutschen Krankenhäuser mit 22,9 Tagen die höchste durchschnittliche Aufenthaltsdauer pro Patient in Europa aufweisen.

Ob darin aber tatsächlich eine Ausnutzung der Erstattungspflicht der Krankenkassen gesehen werden kann, muß bezweifelt werden. Vor den meisten Krankenhäusern liegt heute ein Stau von Nichtbehandelten, und jede Verkürzung der Aufenthaltsdauer würde die zusätzliche und schnellere Hereinnahme weiterer Kranker bedeuten, was nicht ohne Ausdehnung des personellen Apparates möglich ist. Es entstehen somit bei einer Verkürzung der Aufenthaltsdauer unter Umständen noch höhere Kosten. Und was die wirtschaftliche Führung der Krankenhäuser anbelangt, so ist zu berücksichtigen, daß hier bis vor kurzem allgemein (und in einigen Krankenhäusern auch noch heute) die 60-Stunden-Woche für Schwestern und Assistenzärzte galt. Eine Ausnutzung des Personals also, die größer ist als in allen Betrieben der Privatwirtschaft.

Anders steht es mit der Forderung der Krankenkassen, in die Kostenermittlung der Krankenhäuser eingeschaltet zu werden. Es gibt kaum ein Wort, auf das man in den Krankenhäusern und bei der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft so empfindlich reagiert wie auf das Wort Kontrolle. Als vermute man dahinter die Absicht einer Demontage der technisch-medizinischen Ausrüstung und der Modernisierungsvorhaben, steht man jedem Versuch der Kassen, in irgendeiner Form in die Kostenermittlung und -kontrolle eingeschaltet zu werden, schroff ablehnend gegenüber. Diese Ablehnung geht so weit, daß neuerdings die Deutsche Krankenhaus-Gesellschaft sogar ihrerseits den Staat für die Kassen bemühen möchte. Die Krankenhäuser, so heißt es in einer entsprechenden Veröffentlichung der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft, sind der Auffassung, daß die soziale Krankenversicherung aus öffentlichen Mitteln subventioniert werden muß, „wenn sie ihren Verpflichtungen (gegenüber den Krankenhäusern) nicht in vollem Umfang nachkommen kann“.

Wer die Situation, und Position der Krankenhäuser kennt, wird ihnen hier allerdings nicht ganz folgen können. Gewiß ist mit der Überprüfung der Pflegesätze durch die staatlichen Preisbildungsstellen dafür gesorgt, daß die Forderungen derKrankenhäuser nicht in den Himmel wachsen. Aber wer kann es den Kassen und übrigen Sozialversicherungsträgern verdenken, wenn sie auch selbst einen Einblick in diese Preisbildung haben wollen.

Jeder Ruf nach dem Staat droht einen ständig wachsenden staatlichen Einfluß nach sich zu ziehen. Krankenhäuser wie Krankenkassen sollten das bedenken. Und beide müssen einsehen, daß die Heranziehung des Staates meist nur dazu führt, die Lasten von den Beitragszahlern auf die Steuerzahler abzuwälzen.