Er schwieg. "Zum Kuckuck", rief ich erregt, "dann lassen Sie sich doch mit dem Fallschirm über Peking absetzen, um dort auf dem Rathausplatz Reden gegen die Kommunen zu halten. Vielleicht kommt Ihnen das wenigstens abenteuerlich und gefährlich genug vor."

"Sie mißverstehen mich", sagte mein Amerikaner, "meine Wünsche gehen in ganz andere Richtung. Ich will auf Vorposten für mein Land stehen. Ich will dort sein, wo man uns schmäht und bedroht, wo man unsere Häuser mit Ami go home beschmiert, wo Onkel-Sam-Puppen stellvertretend für mein Land verbrannt werden, wo man in Tausende von fanatischen, haßerfüllten Augen blicken kann, wo sämtliche Fensterscheiben in Scherben gehen, wo man Brandfackeln gegen uns wirft, und wo man als Amerikaner seines Lebens nicht mehr sicher ist."

"Uni Himmels willen", rief ich erschrocken, "wo gibt es denn so was?"

"Ach, eigentlich überall", meinte er mit einem gewissen resignierten Gleichmut, "aber vor allem in Südamerika, im Fernen Osten, im Nahen Osten."

"Jetzt verstehe ich. Sie meinen diese Demonstrationen vor amerikanischen Botschaften, von denen man ab und zu liest. Und in so einer Botschaft wollen Sie Dienst tun, stimmt’s?"

Er winkte verächtlich ab. "Botschaftsgebäude sind nichts für mich. Viel zu geschützt durch die dicken Mauern. Was kann einem da schon viel passieren? Nein, für mich kommt nur ein amerikanisches Informations-Zentrum in Frage. Oder eine amerikanische Bibliothek. Und dort wiederum, vielleicht klingt das etwas vermessen, möchte ich am liebsten den Zeitschriftenstand verwalten, wo Life und Time ausliegen. Den greifen sie nämlich immer zuerst an und verbrennen ihn."

"Vor soviel Heldenmut kann man nur den Hut ziehen", meinte ich ziemlich beeindruckt. "Haben Sie da schon ein bestimmtes Land im Auge? Wie ich Sie jetzt kenne, muß es besonders scharf antiamerikanisch eingestellt sein, stimmt’s?"

"Ganz recht. Aber das ist ganz einfach. Ich gehe in das Land, das von uns am meisten Entwicklungshilfe bekommen hat."