Der deutsche Titel bedeutet die Vorspiegelung einer Tatsache, die nicht vorhanden ist: „Zwei in einem Zimmer“ ist keine Romanze, und die Liebes- oder Sex-Spiele, die man erwarten könnte, beherrschen nicht unbedingt das Feld in diesem Film.

Zwar zwingt Geldnot die beiden – den aus Milwaukee nach New York gekommenen jungen Jazzmusiker Pete und das Taxigirl Peggy –, in einem nur durch einen Vorhang unterteilten Zimmer zu hausen. Aber erstens ist sie sittsam, und er will auch nicht (bis sie beide, happy-endlich, doch wollen); zweitens fehlt ihnen zunächst die Muße, um zu entdecken, daß es mit der Liebe zwischen ihnen sehr ernst geworden ist: Sie stehen nämlich unter dem harten und alle Energien erfordernden Gesetz des New Yorker Broterwerbs. Pete kommt nicht zum Zuge (Blasen), und Peggy hat 600 Dollar Schulden, die ihr Boß Nellie mit Roheit und Sadismus eintreibt.

Es stimmt (was irgendwo gesagt wurde), daß die Brutalität des Nachtklub-Besitzers Nellie zwar dämonisch sei, zugleich jedoch an Albernheit grenze. Aber selbst in dieser Verzerrung noch symbolisiert die Figur einen Teil Amerikas, und der Darsteller (Don Rickles) ist, obwohl hochgepeitscht, noch imposanter als das Liebespaar (Tony Curtis und Debbie Reynolds), das zuweilen überfordert wird – was nicht an Robert Mulligan liegt. Seine Regie ermöglicht die Entfaltung der darstellerischen Kräfte. Auch die Kamera ist, ohne eigentlich schöpferisch zu sein, geschickt auf eine traditionelle Weise; die Farbe ist vorzüglich.

Der Film zeigt Züge eines erschreckenden Amerikas. Er ist der „Faust im Nacken“ und Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ (Bühnenstück und Film) verwandt: in seiner Brutalität, in seiner erschreckenden Erbarmungslosigkeit. Von Humanität ist das weit entfernt.

Amerika, du hast es besser (wie Goethe meinte)? Vom Schicksal ausgezeichnet ist das Europa, das diese Härte nicht nötig hat. R. D.