Die Schwenkung der deutschen Währungspolitik – Gründe und mutmaßliche Folgen

Von Jacques Stohler

Wer jahrelang für die Aufwertung der D-Mark eingetreten und dafür von Westdeutschlands renommierten Bankpraktikern zum „Theoretiker“ degradiert worden ist, darf jetzt eine gelinde Genugtuung empfinden. Allerdings sind der Selbstzufriedenheit ebenso enge Grenzen gesetzt wie der Aufwertung selber: das Stimmungsbarometer der Befürworter ist um weniger als 5 vH gestiegen.

Das amerikanische Schatzamt – ein Geburtshelfer der Maßnahme – hat denn auch den folgerichtigen Kommentar zur deutschen Wochenendsensation geliefert, als es feststellte, die Aufwertung sei trotz ihres geringfügigen Umfangs als kleiner Schritt in der richtigen Richtung zu begrüßen.

Viele Gründe sprechen für ein solches freundlich-kritisches Urteil. Einige Aspekte sind jedoch besonders wichtig. Zuerst stellt sich die Frage, weshalb überhaupt aufgewertet werden mußte. Sie kann in wenigen Sätzen beantwortet werden. Ein Land, das Überschüsse in der Zahlungsbilanz erzielt, sammelt Gold- und Devisenreserven an. Wenn dieser Prozeß lange genug dauert, so machen sich zwei unangenehme Wirkungen immer stärker bemerkbar:

1. entzieht das Überschußland jenen Staaten, mit denen es wirtschaftliche Beziehungen unterhält, Währungsreserven und zwingt diese Länder dadurch mit der Zeit dazu, entweder die Einfuhr zu beschränken oder die Konjunktur zu drosseln oder die Konvertibilität einzuschränken und Devisenkontrollen vorzunehmen;

2. findet im Überschußland selber durch den Verkauf der Devisenüberschüsse an die Notenbank eine Geldschöpfung statt, welche den Anstieg der Preise, Löhne und Gehälter begünstigt.