„Public Relations“ – ihre Möglichkeiten und Grenzen

Von Rosemarie Winter

Die Public-Relations-Leute führen den Anfang ihres Wirkens auf die Staatspropaganda der Vereinigten Staaten während des Ersten Weltkrieges zurück. In den zwanziger Jahren wurde diese Art, die Beziehungen zur Öffentlichkeit zu pflegen, auch auf die Wirtschaft ausgedehnt. Aber bereits Napoleon wußte, welche Bedeutung die öffentliche Meinung hat und wie wichtig es ist, ihre Instrumente in der Hand zu halten, so daß er sich sämtlicher publizistischer Organe zu bemächtigen trachtete und Bücher, wie jene seiner großen und mutigen Gegnerin Madame de Staël, verbot. Und wenn man will, kann man bereits in biblischen Zeiten Beispiele dafür finden, wie die Mächtigen bemüht waren, eine gute Stimmung im Volke zu schaffen. Der Unterschied zwischen damals und heute liegt lediglich darin, daß man früher wohl um die öffentliche Meinung warb, sie aber noch nicht im voraus zu berechnen wußte, wie das heute auf Grund psychologischer Erkenntnisse immer mehr der Fall wird.

Auch die Deutschen haben ihre Public-Relation-Tradition. International anerkannte deutsche Lexika verweisen darauf, daß beispielsweise die „Kohlenklau“-Aktion während des letzten Krieges eines der umfangreichsten Public-Relations-Unternehmen gewesen sei, die sich denken lassen. Und der Propaganda-Mephisto des Tausendjährigen Reiches wird nicht nur von den Deutschen als ein Magier der öffentlichen Meinung bezeichnet, eben weil er jenen modernen Zauberstab beherrschte, ehe andere überhaupt von der Existenz eines solchen Instruments eine Ahnung hatten.

Bedürfnisse werden geweckt

Im wahrsten Sinne „public“ wurde die Öffentlichkeitsarbeit jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gebiete der Wirtschaft. In der USA versechsfachte sich in dieser Zeit die allgemeine und individuelle Public-Relations-Apparatur, die heute 1300 Beratungsinstitute aufweist und mehr als 100 000 Menschen in leitender Stellung beschäftigt. In England nennt das British Institute of Public Relations 1450 Mitglieder, in Frankreich sind es 350, die der Association Française de Publicite angehören. In Deutschland, wo die Meinungspflege trotz der Kohlenklau-Tradition noch in den Kinderschuhen steckt und wo es erst seit Dezember 1958 eine eigene Public-Relations-Gesellschaft gibt, wird von etwa 100 Mitgliedern gesprochen. Dabei muß natürlich berücksichtigt werden, daß nicht jeder „PR-Mann“ Mitglied dieser Gesellschaft ist.

Was aber tun die Männer und die wenigen Frauen, die für Public Relations sorgen? Die übliche Definition lautet: sie haben den „good will“ der Öffentlichkeit für eine Sache, eine Aktion, eine Person, eine Personengruppe oder ein Unternehmen zu gewinnen, indem sie durch wahrheitsgetreue Darstellung der Situation um Verständnis werben.