Von Theodor Eschenburg

Zu Anfang der dreißiger Jahre gehörte der jetzige Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Dr. Hans Globke, zur Gruppe jener jüngeren Beamten in den Berliner Ministerien, die als besonders qualifiziert galten.

Mit 27 Jahren war er als junger Regierungsassessor 1925 Stellvertreter des Polizeipräsidenten von Aachen – eine der größten Grenzstädte, die überdies noch von alliierten Truppen besetzt war. Ein Jahr später wurde er als Regierungsrat ins preußische Ministerium des Innern berufen. Die preußische Zentralverwaltung suchte sich damals ihre Nachwuchskräfte vor allem für wichtige Stellen nach strengen Maßstäben sehr sorgfältig aus.

Hans Globke war Mitglied des Zentrums, der katholischen Partei; aber man hatte unter den zahlreichen jungen katholischen Beamten so große Auswahlmöglichkeiten, daß Globke den schnellen Aufstieg in allererster Linie seiner Befähigung zu verdanken hatte. Seine Ernennung zum Oberregierungsrat 1933 war eine routinemäßige Beförderung, zumal diese schon vor der Machtergreifung Hitlers eingeleitet war.

Daß er 1938 mit 40 Jahren nach siebenjähriger Ministeriumstätigkeit Ministerialrat wurde, entsprach seiner damaligen Amtsstellung und war nichts Ungewöhnliches. Im Vergleich zu anderen ist er in seiner Karriere im Dritten Reich zwar nicht benachteiligt, aber auch in keiner Weise bevorzugt worden.

Globkes Chef, der Innenminister Frick, führte einen zähen Kampf gegen die Parteibürokratie und für die Belassung fähiger Berufsbeamter in seinem Ministerium, wie wir gerade aus neuen historischen Darstellungen über die Beamten- und Verwaltungspolitik des nationalsozialistischen Regimes wissen. Wenn Frick in seinem Beförderungsantrag Globkes „bewiesene Loyalität und stete Einsatzbereitschaft“ herausgestellt hat, so besagt das nichts über dessen damalige Gesinnung. Das war das mindeste, was über einen nicht der Partei angehörigen Beamten gesagt werden mußte, um die Zustimmung des Stellvertreters des Führers und seiner Parteibürokratie zu dessen Beförderung zu erreichen. Bei Anträgen für im Sinne der NSDAP zweifelsfreie Kandidaten genügte die Ausfüllung des Formulars.

Damals in Berlin ...