Washington, im März

Die Amerikaner lieben einen harten Wahlkampf. Nixon und Kennedy blieben einander nichts schuldig. Dennoch gab es keine persönlichen Tiefschläge. Über das umstrittene katholische Glaubensbekenntnis Kennedys wurde schließlich ein Waffenstillstand geschlossen – und eingehalten.

Angriffe auf den deutschen Kanzlerkandidaten Brandt, die sich gegen dessen Emigration richten, werden in den Vereinigten Staaten – wo der Berliner Regierende Bürgermeister Ende dieser Woche eintrifft – denn auch mißbilligt. Zwei Ereignisse in diesem Jahr schärfen in Amerika ohnehin die Erinnerung an die Jahre, als Deutschland „geschlossen“ hinter seinem „Führer“ stand: der Eichmann-Prozeß und William Shirers Buch über „Aufstieg und Untergang des Dritten Reiches“. Die erhöhte Wachsamkeit Deutschland gegenüber beschränkt sich keineswegs auf jüdisch-amerikanische Kreise. Die bestimmenden Männer der Kennedy-Regierung stehen Deutschland nicht mißtrauisch, aber zum Teil recht skeptisch gegenüber.

Die innenpolitische Auseinandersetzung um die „nationale Zuverlässigkeit“ des Kanzlerkandidaten der SPD beginnt, außenpolitischen Schaden anzurichten – vor allem in Amerika. Die verantwortlichen Politiker der Bundesrepublik wären gut beraten, wenn sie dem Beispiel des letzten amerikanischen Wahlkampfes folgten und persönliche Attacken unterließen. Die politischen Programme der Parteien bieten genug Stoff für harte Debatten.

Thilo Koch